Friday, December 23, 2022

Priester der Stadt

 Vergangen und vergessen - waten wir durch die Straßen des Sein, 

wir, die wir warten - im Garten 

Eden, vergessen und besessen - wie mit Regen und Wein 

- wird es jemals anders sein? - 


Genommen und zerronnen - die Zukunft begonnen, 

noch bevor die Wunden, die bluten, die Lieder bargen 

- wir sind im Argen! 

Und bevor sie vergessen, - vom Leben besessen, - 

die Wunden heilen und die Schmerzen ereilen, 

so konnten sie doch nur gehen, 

von neuem die Wunden bluten sehen - 


Einst waren es Könige, Priester und Sterne, 

heut sind es Bettler in den Straßen der Stadt, - 

und noch immer sehn wir sie von Ferne, 

obgleich ihnen das Leben doch alles genommen hat ... 


Und so waten auch sie in den Gossen des Sein - vergessen und verlassen 

- und so sehn wir sie nun, wartend in den Gassen, 

im Garten der Stadt, im Herzen der Stille, 

Eden längst begraben - mitsamt jenem Tisch der Gaben - 

und mögen sie auch schreien, fluchen und beten, dort an jenen Stätten, 

wo sie einst das Leben beschworen - zu Königen und Priestern erkoren, 

den Tod besiegelt und die Zukunft prophezeit - hatten sie doch jenen Garten entzweit 

- und noch während sie schmausten und sich labten an den Waben, 

fiel er doch, jener Tisch der Gaben - noch bevor sie begriffen was sie hätten, 

wären und sollten, all die Früchte gefallen - in Hülle und Fülle, 

ja selbst Wein und Regen blieben nicht mehr zu geben, 

bis nur die Gassen - der Stadt sie noch umschlossen - Leben! 

- wer hätte es je genossen? - und die Zeit, - verflossen und begossen, 

mit Regen und Wein - ja es wird ewig anders sein. --- 


Und so ziehn sie heute - Priester der Stadt - nur durch die Straßen des Sein, 

im Herzen der Stille, und es ist ihr ganzer Wille - zu warten 

im Garten Eden doch ewig die Gaben entzweit, vergessen mit der Zeit, 

bereit - den Pfad nun neu zu beschreiten, voller Leben und Sein, 

bleibt ihnen nichts mehr zu geben - als nur Regen und Wein. 


Vergangen und vergessen - waten wir durch die Straßen des Sein, 

wir, die wir warten - im Garten 

Eden, vergessen und besessen - wie mit Regen und Wein - 

So sollte es immer sein. 

[   ]

18.9.15 Lilly Y L

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