Friday, December 30, 2022

ein garten der kein garten war


 In einem Garten, der kein Garten war, 

lagen die Blumen brach und das Gras stumpf darnieder ... 

wer wird sie aufrichten? 


In einem Schlummer, der kein schlafen war, 

versank die Welt in Schweigen. 

Wird einer kommen, 

dessen Schritte noch im Morgen wiederhallen? 


Gleich wohin sie das Schweigen trug, 

das Staunen ging immer voran - 

und wie ihr Singen auch in Worte widerhallte, 

blieb doch die Stille erhalten ... 


Wirst du morgen noch das Gestern erinnern? 

Wirst du ankommen, wenn die Welt vergessen ist? 


Wer wird dann warten, wenn es keine Zeit mehr gibt ... ? 


Und die Stunden verrinnen wie Minuten ... 

die Zeiger stehen still. 

Ohne Worte gibt es kein Entrinnen mehr ... - 


Wer wird die Welt noch feiern, 

wenn das Leben gegangen ist? 


In einem Hoffen ohne Morgen 

und einem Herbst ohne Gleichen, 

kann doch nur das Ende dem Anfang folgen. 

Und doch tun wir nichts, als auf diesen Untergang zu warten ... 


Wenn kein Wandeln von Sinnen mehr möglich ist, 

so müssen die Sinne selbst folgen, 

und wenn keine Gnade gewährt wird, 

so muss sie selbst geschaffen werden. 

Auf den Schwindel der Höhe 

kann doch nur der tiefe Fall folgen, 

und beim Aufprall bricht die Welt aus den Fugen ... 

Doch was folgt auf eine Tiefe, wie sie 

keiner anderen Tiefe gleichen kann? ... 

Doch sicher kein Aufstieg in ein besseres Sein?  


Mir schwindelt vor den einseitigen Unmöglichkeiten, 

und die Welt schwindet mit mir ... 


Wirst du kommen und mein Sehnen erhören? 


Doch nein, denn Glück kann man nur selbst schaffen, 

und manchen ist es nicht zu schenken ... 


An einem Morgen, der kein Morgen war, 

verließ ich das Haus, 

'doch in einem 'Blick, der keine Worte hielt, 

vermochte ich nicht zurückzusehen ... 

Wird ein Abend kommen, der all jene endlosen Morgende ablöst, 

oder wird es ewig Nacht bleiben? 


In einer Dunkelheit, die doch ein Schimmern barg, 

verließ ich das Haus und sah noch einmal zurück. 


Wer wird dich morgen erblicken, wenn die Welt verändert ist? 

Doch in jenem Schweigen vermochte ich 

nichts als jene frostverhüllten Wälder um mich her zu sehen (...) 


An einem Abgrund, der kein Abgrund ist, 

schwindelt einem doch vor der Unmöglichkeit. 


Warum wird die Welt nie stillstehen können? 

Warum ist die Menschheit doch nur Kampf? 

Auf all jene Fragen des Universums gibt es keine Antwort. 


Ich blicke in einen klargefrorenen Teich 

und sehe doch nur Ruhe und Schweigen. 

Die schneebedeckten Kiefernzweige knarren im Wind, 

doch auch sie flüstern/ wispern nicht ... 


Wenn der Morgen vergangen ist, 

kann nichts als endlose Nacht folgen. 

Und meine Augen schwimmen vor der Unmöglichkeit ... 


Wirst du morgen noch das Gestern erinnern? 

Wirst du ankommen, wenn das Leben vergessen ist? 


Und die Welt versinkt in Schweigen.  


    [   ] 

2.1.18 Lilly Y L

Zuversicht

 So wie die Möwenkinder einst die Herzen bargen, 

und nicht mehr in die Welt zu blicken wagten (...), 

so wie verzagen und versagen 

doch immer Zweifel vor sich schoben 

und jeder Schritt unmöglich war - 

wie doch das Ende aller Gnade 

die Antwort jeder Hoffnung war, ... 

ja so wie selbst die Herzen 

mit der Welt verharren wollten 

und die Furcht vor dem Verlust gewann --- 


So müssen wir nun jede Silbe sprechen, 

den Pulsschlag wieder neu zu Boden ringen, 

so müssen wir die Furcht der Schranken brechen 

- denn jeder Herzenswunsch wird auch gelingen! 


Und wie die Möwenkinder einst zu fliegen hofften, 

so öffnen wir die Schwingen nun dem Tag, 

gleich was der Morgen noch versprochen und verhüllet - 

- wir wissen doch, es führt nur jeder Weg ans Ziel. - 

Und so betreten wir den Weg voll Hoffen 

und sprechen jede Furcht als Zuversicht, 

bleibt auch das Ende manchmal offen, 

so wissen wir: es fällt nicht ins Gewicht. [   ] 


26.7.17 Lilly Y L

Von der Ewigkeit des Schilfs

 Vor meinen Augen 

erstreckt sich das Schilf der Unendlichkeit 

doch nur ein begrenztes, kleines Stück - 

und im Gegenlicht der tief stehenden Sonne 

glimmen die Spitzen als wären sie mehr ... 

und doch ist auch das Schilf am verschwinden - 


Unendlichkeit - nur für einen Augenblick, 

ein paar kurze, endliche Jahre ...  

und doch steht in jedem Schilf 

die Welt {für} ein paar Atemzüge still 

- Ewigkeit. 


Das Schilf wird niemals enden, 

so wispert es seit Generationen 

- und wenn das Ende kommt, 

so wird es plötzlich und ohne Vorwarnen sein; 

auch das Ende des Schilfs wird im Abendglanz liegen, 

doch das Schilf wispert nie davon. 


Sommer für Sommer 

spricht es vom werden und vom sein, 

doch nie von dem was war. 

Und so wird es das Ende nicht sehen, 

gleich wie es auch den Anfang nicht kennt. ... 

Es spricht vom wachsen und vom Fluss des Wassers, 

vom Regen und vom Stand der Sonne, 

- doch gleich wie es weiß, dass die Sonne immer aufgehen wird, 

so kann in seiner Welt - auch das Schilf nur ewig überdauern ... [   ]


Abendglanz und Morgenrot 

bringen keine neue Botschaft, 

im Sein des Schilfs gibt es keinen Schrecken [...]. 


16.7.17 Lilly Y L

Roter Morgen


 An einem roten Morgen, 

ohne Schmerz und Erwachen, 

kann doch nur die Ewigkeit bleiben, 

getaucht in Grau. 


Am Abgrund des Nichts, 

gleich zwischen Himmel und Erde, 

getaucht in Grau, 

verblüht ein roter Stern. 


Nach einer Nacht des Wachen, 

am Morgen danach, 

eine blutrote Sonne 

den Himmel zerbrach. 


Wie ist es nur möglich, 

in diesem Traum des vergessens, 

dem Leben enthoben{,?

doch nicht in Schmerz zu [ - ] wogen? 


4(?).9.17 Lilly Y L


Möwenkinder

 
Möwenkinder, 

zerbrechende Gläser - oder sind es Hoffnungen? 

Blut auf nassem Sand - 

- die Kelche achtlos umgestoßen, 

ergoss sich das Leben ins Leere ... 

Wer könnte da schon zweifeln, 

dass die Herzen wirklich geborsten sind 

- oder waren es die Kelche? 

Wer kann schon sagen, welche Federn sie ließen, 

ehe sie im Flug aufbrachen ... ? 


So besehen sie noch einmal die Tat. 

Und während sie kaum glauben können, 

wie alles in Leere versank, 

wissen sie doch - 

- dort draußen sind nur leere Herzen ... 

[   ] 


10.5.17 Lilly Y L

Malen

 In deinem Traum 

malst du die Farben des Universums 

und sein Gesicht 

in allen Tönen der Fantasie, ... 

wie du auch sprichst, und seine Worte wendest, 

der Farben Glanz ist immer matt und trüb ... 


In seinen Haaren malst du wirre Kreise, 

und mischt die Farben bis zum Dunkelsten; 

sein Mund ist wie ein Blick mit einer Frage, 

auch Lächeln, könnte in den Ecken sein, (...) 

doch was er denkt und spricht und wartet, 

das weiß ich meines Herzens nicht ... - 


29.12.17 Lilly Y L

Jede Linie seines Gesichts

 
Jede Linie seines Gesichts kann ich nachzeichnen, 

jedes Lächeln, jede Geste seiner Hand - 

manchmal glaube ich ihn nicht mehr ansehen zu können, 

da meine Augen sonst vergehen würden ... 


Wenn ich ihn ansehe, 

so möchte ich nichts sehnlicher{,] als in seinem Lächeln zu baden - 

doch ich kann ihn nicht ansehen

- wenn ich es tue, 

werden meine Augen mein Geheimnis verraten --- 

Ihn anzusehen (...) ist beinahe so schmerzhaft 

wie der Gedanke ihn niemals mehr sehen zu können [   ]

Und doch nehme ich jene Schmerzen lieber auf mich. 


Nur Hoffnung, du hast schon einmal geglaubt 

ihn nie wieder sehen zu dürfen ... 

Hoffen, wo es keine Hoffnung gibt 

- wie schwer dies doch ist. [   ] 


6.7.17 Lilly Y L

Falling leaves

 
Falling leaves 

on grass, and pines, and needles 

leave 

traces of benign regret, 

astonishment 

weighs on past and present ... 


Leave this bay, 

this harbor of safety 

behind in a cloud, 

a mist of remembrance 

- forgetting is clouded 

and long since done; - 


In my forest of silent pine trees 

(the) giant trunks frame my path 

needles 

keep raining on my face, ... 


Will you remember me, 

who never beheld me? 


Will you 

who never beheld me 

remember my name? - 


Under a clouded sky, 

on a sunless day 

rain is rolling in 

from the ocean ... 

I savor the first drop. 

Will you hold my hand 

and commemorate the future? 


Life shifts 

under my straying feet. 

The sky is clouded 

and the sun has set. 

In the darkness of the night 

leaves keep falling on ... - 


[   ] 


12.12.17 Lilly Y L


Thursday, December 29, 2022

Blüten im Fluss

 Blüten, 

die an einem Baum verblassen, 

schwarz, rosa und lila ... 

Wie sie aufgehen und zerplatzen, 

vergehen sie, und sind doch gewesen ... 


Wie in einem Feld hohler Worte 

sehe ich die Blüten treiben, 

auf dem Wasser, 

dort wo sie dem Tod am nächsten sind. 


Und doch sind sie längst gewesen ... 


War doch nichts so bitter, 

wie der süßliche Geruch des Vergangenen, 

während man noch auf morgen wartet 

- ein Abglanz des Nichts. 


Und während das herrliche Sein in der Wiege schlummert, 

treiben die Blüten weiter den Strom hinab. 


Es ist gewesen, 

alles Sein ist im Fluss. 


Goldreben 

hängen tief über den Fluss hinab, 

so dass ihre Zweige 

die Oberfläche streifen. 


Wir streifen unsere Schuhe ab 

und waten ins Wasser. 


Doch keiner von uns 

kann die davontreibenden Blütenblätter halten. 


Auch der Frühling ist nun fast vergangen. 


Im Licht der neuen Sonnenstrahlen 

betrachten wir die Blüten 

am Baum verblassen. 

Lila, rosa und schwarz 

verglimmt auf dem Licht des Abends. 


Doch der blütenleere Baum 

wird bleiben, 

so wie auch wir das Fühlen einst hinausschickten ... 


Sind doch die Blüten im Wasser 

dem Tod am nächsten. 


Der Vergänglichkeit, 

die auch der Hauch des Lebens ist ... 


18.5.17 Lilly Y L


- vergeht die Liebe zuletzt -

 Wenn Zeit und Raum eins sind, 

wer betrachtet dann noch den Tag vergehen? 

Mir schwindelt vor der Unmöglichkeit. 

Was ist, wenn die Welt auf einen Schlag zusammenstürzt ... 

Wer soll [dann] noch hoffen und sehnen verglimmen sehen? 

Wer soll den Anfang Anfang nennen 

und das Warten auf das Ende ertragen? 


Wer wird noch Wachen, 

wenn der Morgen längst vergangen ist? 


Wenn all dies keine Bedeutung mehr hat, 

so wird auch die Liebe vergehen. - 

Zuletzt. 


4.5.17 Lilly Y L

Schwarzes Haar 

für Alina 



Als ihre Lippen die meinen berührten, 

fühlte ich mich so lebendig 

wie schon seit Langem nicht mehr ... 

- war es nicht das, was ich am meisten vermisst hatte? 

Und während sie ihre Nägel in meine Haut grub 

und ich ihre schlanken Hüften unter meinen Händen spürte, 

regte sich wieder jene verzweifelte Sehnsucht in mir ... 

<Männer können das nie so richtig>, murmelte sie an meinem Ohr 

- ich lächelte, 

<Frauen wissen eben, was Frauen wollen ...>, 

und in ihrem Haar zeichnete ich die Sterne nach, 

küsste jene geschwungene Linie ihren Hals hinab ... 

In ihren dunklen Augen 

brachen sich die Farben der 1000 bunten Lichter, 

und unter ihren schwarzen Haaren 

malten die Schatten des Dämmerlichts noch dunkler, 

ihre helle Haut zu einem weichen Schimmer betonend; 

unter dem Schattenspiel des Zwielichts, 

wandelten sich ihre Nägel von Blutrot zu einem tiefen Schwarz - 

mit einem Lächeln zog ich sie dichter an mich, 

doch jene privaten Momente (die folgten) 

sollen keine Worte beschreiben ... 

[   ] 


1.5.16 Lilly Y L

Wednesday, December 28, 2022

Orte

od.: Von Zikaden und Bäumen 


Es ist einer jener Orte, wo ich meine Seele gelassen habe - 

damals, vor unendlich langer Zeit, 

an jenem heißen Sommertag, 

lag ich im schattigen Gras 

und die Bäume und Zikaden sangen zu mir - 

Erst jetzt, wenn ich wieder an jenen geheimen inneren Ort zurückkehre, 

fügt sich meine Seele 

mit einem leisen Aufseufzen wieder zusammen; 

 - als hätte ich all die Jahre 

einen Teil von mir hier gelassen - 

und die letzte untergehende Sonne 

liegt warm auf den Ruinen hinter mir ... 

Wieder sitze ich auf den Felsen 

und überblicke das ganze Land, 

den Fluss zu meinen Füßen; 

wieder laufe ich durch das halbhohe Gras, 

von der Sonne versengt und vom Wind gezaust, 

- doch diesmal nur in meiner Erinnerung, 

denn noch sind die Berge fast kahl; 

Und so tausche ich die Hitze des Sommers 

gegen Dunst-verschleierten Frühling 

und kalten Wind - 

nur die schwächsten Sonnenstrahlen 

fallen auf meine kleine heilige Wiese, 

und die Bäume werfen lange, dünne Schatten ... 

 - und doch hat sie noch den gleichen stillen Zauber 

wie seit Jahrhunderten. 

Endlich ist meine Seele ganz. 

Dies ist ein Ort der Ruhe und des Schlafes, 

eine stille Wiese, auf der die Bäume immer noch singen, 

die dürren Blätter im Wind rascheln ... 

 - ein Wiegenlied des eisigen Frühlings. 

 - Und doch ein Ort, an dem es für mich 

immer Sommer sein wird. - 


 21.März 2016 Lilly Y L