Friday, July 8, 2022

Vom Schlaf geküsst


Bereits vom Schlaf geküsst

sank sie darnieder in das Bett

aus Wasserlilien und (..) Rosen

bleich wie der Tod


So fand er sie

als er nach ihr suchend kam

ihr sterbender Schwan

im schwarzen Sonnenaufgang


Nur ihr Kopf war noch zu sehn

bereits halb versunken

die Augen geschlossen

Wellen über sie streichelnd

halb verdeckt unter den Wasserlilien


So verharrte er bei (/neben) ihr

sich (halb) niederknieend

die Hand halb ausgestreckt

noch zaudernd

nicht wissend was zu tun


doch sie war tot

längst von ihm genommen

noch eh er sie jemals berührt


und auch ihre Hand war ausgestreckt

noch in letzter Bewegung verkrampft

wie zum Gruß zu seiner Hand

zum ewigen Liebesschwur (..)

die Finger sich niemals berührend


und so kauerten sie  da

auf {/für?} ewig

sie tot

und er zu Stein erstarrt

ein Mahnmal für alle sich liebenden


und der Wald schloss sich um sie her

(das Wasser?/) die Lilien(?) bedeckten ihr Gesicht

sie einsaugend

in die feuchte Welt des Moders

sie sanft umwerbend

und ihre verrottende Haut küssend


und er als Statue neben ihr

die Züge auf ewiglich verzerrt

(in stummer Ratlosigkeit)

als einziges Mahnmal noch bleibend

als moosbewachsne Statue

schon halb vom Sumpf verzehrt

watend im {fauligen} Morast

auch er schon halb versunken

der liebliche Schlamm ihn genüsslich aufsaugend

ihn sanft herunterlockend

in sein Schlafgemach aus braunem Samt und Damast


so stehn sie nun die beiden

auf ewiglich(_/?) und heute noch

als wachende Statuen im Wald

von Laub und Blättern bedeckt

schon halb im Sumpf versunken


wenn auch sie nur {noch} im Geist

{ihre Seele/(ihr Geist)} wachend über dem/n Sumpf

als Teil des ganzen nun

ihr Körper zärtlich vom Schlamm geküsst

von zarten Moder umarmt

ihre gefüllten {/feuchten?} Lungen {,}

vom Wasser aufgebläht

sanft hinweggespült

die Berührung des Todes

ihr küssend Lebwohl

auf die aufgeplatzte Wange

schon längst hinfortgeweht

von den Gedanken des Vergessens

nie (/nicht?) mehr als eine Idee

so schnell verworfen wie die Ewigkeit

als Teil des ganzen

noch lauernd in den Abgründen

der dunklen Zeit

und den Tiefen des Vergessens (,/..)

dort wo der Tod lauert

um auch dir Lebwohl zu küssen

Lebwohl du schöne Welt

verschwindest nun in Traurigkeit

und der reinen Süße des Todes

werd dich wohl nichtmehr wiedersehn

du Geliebte dort oben im Wald


denn lang schon bin auch ich

der Verlockung des Sumpfes anheim gefalln  (/der Süße des Todes ...)

bin versunken wie du im Sumpf

sanft nachgebend

der Versuchung vor dem Tod


Lebwohl du schönes Tageslicht

wenn meine Augen sich schließen

denn auch ich bin schon vom Tod geküsst

vom sanften Hauch des Schlafs


werde ewig von meinem Waldsee träumen

und von dir du süße Verlockung

sanfte Nymphe dort unten im Teich

die Hände so schlank wie Wasserlilien

wie Wasserlilien im Teich

mich sanft herunterlockend


vom Schlaf geküsst sink ich darnieder

in mein Bett aus Wasserlilien und (..) Rosen

den bloßen Körper sanft bedeckend

leise Wellen mit ihm spielend

ihn im Schlaf hinweg tragend

ihm sanft schaukelnd das Wiegenlied

vom süßen ungeküssten Tod


lebt/ schlaft? wohl ihr sanften Wasserlilien

die ihr mich so ungewollt {/ungewollt} verführt habt

mich herabziehend in das Reich des Todes

in eurem feuchten Wassergrab

bereits vom Schlaf geküsst

noch eh ich die Oberfläche berührte

schon auserwählt vom Tod

als sein nächstes bleiches Opfer

bleich im Totenschlaf

so vieler Jahre

schon längst gezeichnet

für diese Minute bestimmt zu sterben


schon vom Tod geküsst

vom bleichen schönen Schlaf

der sonst niemals küsst

nicht einen lebenden Mund

nur die Liebe zu den Toten

und jenen die er zeichnete


als nur vom Tod geküsst

vom schönen bleichen Schlaf {...}


Bereits vom Schlaf geküsst

sank sie darnieder in das Bett

aus Wasserlilien und (_) Rosen

bleich wie der Tod

wie so viele vor ihr, so viele andere

sanft bereits vom Schlaf geküsst


4.4.08 Lilly Lime

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