Monday, July 18, 2022

Die Prophezeiung I

 ich treibe langsam in einem dunklen Fluss
aber begreifen kann ich es nicht
nur dunkle Berge und Täler
und manchmal verschleierte Anhöhn


ich kann den Anblick nicht einordnen
weil ich die Geschichte nicht kenne
nicht die Personen
nicht den Charakter
die Handlung
deshalb weiß ich nicht wo ich mich befinde


kannst du es mir sagen?


doch du weißt es auch nicht
kannst nur stumm sein
und schweigen wie ich

wir sind uns so ähnlich

stumm stehn wir da
die kalte Morgendämmerung um uns her
wartend
nicht wissend was noch kommt
aus der kalten/grauen Morgendämmerung

was erwartet uns?

du schweigst
wie ich
und kennst den Weg nicht

wir kennen ihn beide nicht
den Weg der noch vor uns liegt
diese ferne Zukunft die uns ängstigt

wir rücken enger zusammen
Schwester
die beruhigende Wärme der andren spürend

noch leben wir
noch haben wir einander

Schwester
die du mit ausgebreiteten Schwingen  so dastehst
bereit zum Sprung

tu's nicht
schreie ich nur
schreit es verzweifelt in meinem Kopf

doch meine Stimme bleibt stumm

(ich hab sie längst verloren)

auch mich
such mich nicht
schreien andere Stimmen in meinem Kopf
doch ich versuche nicht meine Stimme wiederzufinden
versuche nur zu schweigen
und die Ruhe/Stille zu ertragen

so still, so still ...

wenn ich nur die Ruhe/das Schweigen ertragen kann
ohne zu platzen
ohne zu schrein

denn das könnte ich sowieso nicht mehr
wollte ich nichtmehr (...)
so stehn wir stumm auf unserem Abhang
die Flügel um uns her
tu's nicht Schwester
spring nicht

doch über meine Lippen kommt nach wie vor/noch immer kein Wort

nur wenn ich schweige
kann ich siegen
nur wenn ich schweige
kann ich überleben

denn du wirst mich mit dir ziehn (...)

schon breitest du die Flügel aus
der große Sturz steht kurz bevor
ich will nicht springen

will nicht

doch es ist zu spät

schon hat dein letzter Flügelschlag mich mit dir gerissen (...)

ich lächle nur noch einmal
so darf auch ich noch fliegen

so muss ich die grauen Nebel nicht mehr sehn
nichtmehr auf etwas warten
(das Grauen nichtmehr kommen sehn( (...)

du brauchst mich nicht festhalten
es ist gut dass ich mit dir fliegen darf/kann

und so fliegen wir zu zweit
in die ferne Nacht
Schwester
die du mir teuer bist

es ist gut dass du mich nicht alleine gelassen hast
/alleine fliegen gelassen hast

denn dein letzter Flügelschlag hat mich mit dir gerissen (...)

(und so stürzen wir gemeinsam in den Abgrund)
(meine) Schwester und ich
fliegen über der Morgendämmerung frei davon ...

(denn) die Nacht ist mild und blau
Schwester in schwarz
und du (ich?) mit deinem antrazitfarbnen/-roten Kleid


deine Augenbraue ist schwarz geschwungen
meine Hände sind weiß
halten verkrampft um eine Rose
die letzte Rose die du mir geschenkt hast
das letzte im Leben
Schwester in schwarz die du mit mir gestorben bist

so bleiben wir nebeneinander liegen
so still und blass
nur um dann (glücklich?) davon zu schweben
hinein ins ferne Blau der Nacht

Schwester es tut weh von dir zu scheiden
doch es muss sein
/es ist gut (?)
denn die (letzte) /meine Rose ist mit mir

nun geh
denn du bist schon (viel) zu lang geblieben
auf diesem Fluss der Traurigkeit/ des Kummers

lass mein Schiff alleine weiterziehn
es ist gut
träum schön
träum schön ohne mich (...)

purpurne Rosen und antrazit
umschlingen einander sanft
geben einander die Hand
mit Geduld und Liebe
mit Hoffnung

Hoffnung auf den neuen Abend (Tag?)
leb wohl
Schwester im grauen Kleid ...


schwebst leise ohne mich davon
leb wohl ...




drei rote Rosen
und ein Dornenblut (?)


16.1.07 Lilly Lime


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