Tuesday, July 26, 2022

die Eiche

 eine dürre Eiche steht allein auf einer Heide;

letzter Wegweiser des Todes.

Ich folge ihrem Ruf

Stumm stehe ich bei Nacht auf windgepeitschter Heide,

die Arme zum Himmel erhoben,

Blitze um mich her ...

Wer bin ich?

Der Ruf antwortet mir,

leises Wehklagen der Winde;

der Wind antwortet mir - 

Ich bin ein Geist in der Nacht;

denn wer würde sonst bei Sturm und Winden

unter dieser Eiche stehn ...

Ich hebe mein Gesicht zum Himmel,

nasser Regen auf dem Gesicht;

Dann breche ich in Gelächter aus.

Hell und unbändig.

Teuflisch.

Ich lache und der Himmel scheint mich zu verschlingen.

Die Äste der alten Eiche schwanken über mir

- doch ich lache nur weiter.

Die Schleusen des Himmels brausen auf mich nieder

und die Blitze zucken um mich her ...

Dann schlägt der Blitz in mich ein.

Doch es ist nicht der Blitz,

der dann auf mich herniederfällt,

es ist der Baum, die alte heilige Eiche.

Leblos sinkt mein Körper darnieder,

begraben unter einem Gewirr aus Ästen und Zweigen.

Der geborstene Stamm glänzt noch blutig vom Regen.

Dann laufen kleine Gestalten herbei,

weiß gegen die Nacht;

finden meinen Körper.

Freudig beklagen und bejubeln sie ihr Opfer;

welch freudiger Tag unter der heiligen Eiche ...

Und die Eiche hatte recht,

denn ich bin nur ein Geist in der Nacht ...

- denn wie könnte ich sonst dies alles mitangesehen haben,

gar meinen eigenen Tod ...

und vielleicht war es gar nicht einmal ich ...


30.7.06 Lilly Lime

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