Saturday, July 30, 2022

leise lächelnder Funkenregen

Leises Lächeln,

leise, leise

leises Lächeln,

komm mit mir auf die Reise

______________________

leise lächelnder Funkenregen,

blau, so fern,

tausendfach lachend

mit perlendem Tau,

lachend so leise,

silberhell funkelnd

im fernen Blau des Horizonts

lachend an meinem Ohr

perlend lachend in meinem Kopf

blauer See

so weit, so weit

tausend Tropfen,

in funkelndem Lachen

lachend, so lachend,

immer nur lachend,

silberhell lachend

wie funkelnder Tau

blau, so blau

so lachend im Blau,

im tausendfachen Lachen

des Funkenregens

17.9.05 Lilly Lime

schwarz wie Raben

 

aus Buch 1

17.9.05

Ein leiser Tropfen fällt

fällt in eine Pfütze,

ein Regentropfen,

Regen,

leise, sacht,

Regentropfenweise

- leise,

leise, leise,

trop, tropf


___

schwarz wie Raben

so schwarz

Schwarze Raben

auf dunklen Wolken

Gewitterwolken

schwarz so schwarz.

ausgebrannte, schwarze Bäume

auf düsterer Heide,

schwarz, so schwarz.

Blitz und Donner

in meinem Gesicht,

Blitz und Donner

auf schwarzer Heide,

schwarz so schwarz

vom Blitz so schwarz.

Tausend zuckende Lichter

in meinen Augen

all die Blitze,

in meinem Gesicht

schwarze Blitze

auf schwarzer Heide

schwarze Raben

im Blitz so schwarz.

Schwarze Punkte

mein Blitzfeld füllend

schwarze Dunkelheit

mich verschlingend,

nur erhellt

von tosenden Blitzen,

schwarzen Blitzen

wie Raben

so schwarz

mein gesamtes Blitzfeld füllend,

mich füllend,

füllend von Seele bis Fuß,

dumpfes Beben

tief unter der Erde

dumpfes Beben

durch alles hindurch,

dröhnend und tosend

mich niederbebend,

mit dröhendem Donner

laut wie die Stimme des Teufels,

wilde Schreie

in Wind und Sturm,

wilde Schreie

in schwarzer Nacht

gellend in meinen Ohren,

gellend wie Blitze, so grell,

schwarzer Blitz

in schwarzer Nacht

schwarz

wie Raben so schwarz.


2005 Lilly Lime



Sommernacht

 aus Buch 1

4.9.05

Bittere Sommernacht

verloren

im süßen Rausch

des trunken sein

mit Sommernachtsschwärmern

als Falter unter Faltern

von süßem Gefühl

des Taumels einer Sommernacht

___

Wo hast du das Kapuzen-

mädchen verloren?

- da oben, da oben steht

sie doch, da am Fenster,

siehst du sie nicht?

- doch sicher

 bleich wie ein Todesengel

mit ihrer frostbleichen

Kapuze

- doch nein, nein

sie ist ein Freund

eine wärmende, helfende Hand;

kein Todesengel würde 

dir die Hand reichen

um Hilfe zu leisten

- doch höchstens zu töten ...

- verzeih, ich bin wohl einfach

übermüdet, ich weiß nicht

warum ich das gesagt habe,

nur ein blöder Gedanke,

der mir gerade so in den Sinn

gekommen ist, blanker Unsinn

natürlich ...

- sicher was sonst;

jetzt schlaf, du bist schon

zu müde, doch träum nicht

noch von Todesengeln, sie

sind ein Fluch ... träum

vom Kapuzenmädchen,

träum, träum ...

das Kapuzenmädchen

ist bei dir, sie singt dich

in den Schlaf ...

schlaf, schlaf ...

schlaf mein Engel,

das Kapuzenmädchen

wacht über dir ...

[      ]

[      ]

___


2005 Lilly Lime

 

Kapuzenmädchen

 aus Buch 1

16.7.05

Ich tanze, irgendwo in der Menge.

Plötzlich sehe ich durch ein Lücke

zwischen 2 Paaren eine kleine 

Gestalt in seidener Jacke mit Kapuze.

Wer trägt schon bei dieser Hitze 

eine Jacke? Und dann auch noch eine

Kapuze - beim Tanzen bei dieser

Hitze. Doch nicht etwa wieder das

Kapuzenmädchen?


18.7.05

Ich fahre in der Straßenbahn.

Links ein Radweg; dahinter

Büsche. Büsche, Büsche, Bü-

sche. Rechts eine Straße; Autos,

Autos, Laster, Autos .... Ich

sitze auf der linken Seite.

Mein Blick wandert gelangweilt

über alles, was dort vorbei -

huscht. An einer Haltestelle

steigt jemand ein, und zwar bei

der Tür, an der ich sitze. Ich

blicke auf. Es sind zwei Mäd-

chen. Die eine trägt eine seide-

ne Jacke, mit Kapuze. Ich

kann ihr Gesicht nicht sehen,

da es im Schatten der Kapuze

liegt. Sie wenden sich nach

rechts - mir ihre Rücken zu -

und setzen sich auf zwei freie

Sitze/ Plätze. Wer war dieses

Mädchen, das immer eine Kapuze

trug und mir dauernd begegnete?

War sie das Kapuzenmädchen?

Und das Mädchen neben ihr,

war sie Nina?

Aber die Nina aus meinem

Traum sah anders aus; und

auch das Kapuzenmädchen,

dusterer ... Aber was hatte

das schon zu sagen, in mei-

nem Traum waren sie  nur

meiner Phantasie entsprungen ...

Oder? Sie könnten sich schließlich

nicht in meine Träume teleportieren ...

Den Rest der Fahrt sitze ich 

grübelnd auf meinem Platz,

hin und wieder einen Blick auf

die beiden riskierend. Doch 

schließlich bin ich es, die zuerst

aussteigen muss.


22.7.05

Wo ist das Kapuzenmädchen

geblieben?


23.7.05

Ich fahre durch den Wald.

Ich bin auf dem Heimweg.

Langsam trete ich in die

Pedale. Das Fahrrad schlenkert

ein bischen. Unter meinen

Reifen knackt ein Stock;

die Straße ist auch nicht-

mehr die beste, überall

Risse und aufgebröselte

Stellen, Schlaglöcher. Vor mir

taucht eine Kurve auf. Ich

gebe der Pedale ein wenig 

Schwung. Langsam segle ich

um die Kurve. Vor mir ist noch

jemand unterwegs, fast bei der

nächsten Kurve. Eine schlanke

Gestalt auf einem bläulich

schillernden Fahrrad. Sie trägt

eine lange blaue Jacke eine

Kapuzenjacke - und die Kapuze 

hat sie auf dem Kopf.

Ich fahre schneller, trete

heftiger in die Pedale, will

sie einholen. Doch auch sie

fährt wohl schneller, denn

als ich die Kurve erreiche

ist sie bereits ein gutes

Stück voraus. Ich trete

schneller und schneller, hetze

wie wahnsinnig, durch den 

Wald, ringe nach Atem; doch

immer ist sie voraus, scheint

vor mir herzufliegen, leicht,

wie eine Feder, ohne jegliche

Anstrengung, gleichsam

schwebend, manchmal fast

durchscheinend. Kreuz und

quer führt sie mich so

durch den Wald. Schließlich

verschwindet sie. Einfach so

direkt vor meinen Augen - 

gerade so, als wäre sie nie

wirklich da gewesen, als gäbe

es sie gar nicht.

Erschöpft halte ich auf mei-

nem Fahrrad inne. Ich

würde ihrem Rätsel wohl

nie auf die Spur kommen.


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Knatternd fährt ein Motorboot

über das Wasser. Zerreist

die Stille. Dann ist es vorrü-

ber, die Welt kippt wieder

ins Lot. Ich lasse mich zurück-

sinken, in die Tiefen des Meeres.

Wasser strömt an meinem Körper

vorbei, als ich langsam tiefer

gleite, gelegentlich mit der

Schwanzflosse schlagend. Tau-

send Stimmen des Wassers

raunen mir ihre Geschichten

ins Ohr. Kleinstlebewesen strö-

men im Wasser dahin. Dies

ist meine Welt. Und es ist

auch die Welt der Toten

Wächter, denn dort unten

liegt ihr Land. Aber das wer-

det ihr alles erfahren wenn

ihr dort ankommt. Kommt!

Kommt mit mir ins Land der

Toten Wächter, gegleitet mich

auf meiner Reise, auf meiner

Reise ins Land der Toten

Wächter. Kommt!

  ------------------------------

Ich gleite durch das Däm-

merlicht dort in den mittleren

Wasserschichten des Meeres.

Einzelne Sonnenstrahlen fallen

durch das Wasser zu mir herunter,

tausendfach am Meeresspiegel

gebrochen. Wieder sind die

Stimmen um mich, die vielen

kleinen Stimmen, die mir

leise ins Ohr flüstern. Doch

unsere Reise ist noch lang

und auch und auch ihre 

Geschichten werden auf

Dauer langweilig wenn man

sie wieder und wieder hört.

Deshalb erzähle ich euch nun

eine Geschichte.

Die Geschichte von 

Sirg und Nirg und vom

Land der Toten Wächter.

(-> Sirg und Nirg)

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7.8.05

Ich sitze einfach nur da ent-

spannt, zurückgelehnt, die Au-

gen halb geschlossen. Langsa-

me Musik spielt, irgendwo im

Hintergrund meines Bewusst-

seins. Ein langsamer Walzer.

Plötzlich spricht mich je-

mand an, völlig unerwartet.

Ich schrecke hoch. Was? stamm-

le ich verwirrt, reiße die Au-

gen auf. Im ersten Moment

nehme ich garnicht richtig war

was eigentlich los ist. Vor mir

steht eine schlanke Gestalt in

weißer Seidenjacke, eine Kapu-

ze auf dem Kopf. Ich erschrec-

ke noch einmal. Das Kapu-

zenmädchen. Sie lächelt beruhi-

gend und wiederholt geduldig

ihre Frage. Ist hier noch ein

Platz frei? Ich nicke verstört.

Es war offensichtlich, dass

an dem großen Tisch außer

mir niemand saß. Ich weiche

ihrem Blick aus, irgendwohin

in die Menge. Dort in die 

tanzende Menge. Plötzlich

wird mir bewusst, dass die

Musik gewechselt hat. Tango.

Dann tauchen Lola und 

mein Tanzpartner auf, Ben.

Glück gehabt.

Erleichtert eile ich den bei-

den entgegen, der Tanzfläche

zu, weg vom Kapuzenmädchen.

Du siehst ja ganz blass aus.

Ist etwas passiert? fragt mich

Lola besorgt. Nein nichts, 

antworte ich und zwinge mich

zu einem Lächeln. Doch Lola

spürt das etwas nicht stimmt,

ihr kann ich nichts vormachen.

Ich bin nur jemandem begegnet,

den ich hier nicht erwartet hätte,

erkläre ich entschuldigend.

Ben schüttelt nur den Kopf

über uns beide. Wofür er von

jeder einen Rippenstoß erhält.

Das Lied endet. Wiener Walzer.

Ben zieht mich auf die Tanz-

fläche. Lola kehrt zu unserem

Tisch zurück. Dort ist das

Kapuzenmädchen inzwischen

wieder verschwunden. Ich atme

erleichtert auf. Dann schiebe ich

sie ans hinterste Ende meiner

Gedanken, raus aus meinem

Kopf. Der Abend ist gerettet.


2005 Lilly Lime

Friday, July 29, 2022

Traumland

 Traumland

am Horizont

weit, weit

wie Träume so weit.


Fernes Land

verblasst am Horizont

grün, so grün

in Horizont-blau

entträumte Küstenlinie

im Meer.


Eine ferne Stadt

blau

auf grünem Grund,

bei gelbem Sand

aus Porzellan

so sanft und weich

fernes Schloss

am Horizont.


Sanfte Dünen

Hügelreihe

sacht und weich geschwungen

ferner Sandstrand

in den Blumen

blau,

so blau wie Korn.


Blaue Kornblumen

sanft im Wind

leise sich wiegend

im schillernden Wind

blau

so bläulich

in lieblichem Grün

entschwunden

so fern

weit, weit weg

im fernen Land der Träume.


4.9.05 Lilly Lime


Der Bus

Der Bus fährt um die Straße,

dreht uns eine lange Nase,

küsst noch schnell die Straßenbahn,

und alles fängt von vorne an.

Der Bus fährt um die Ecke,

versteckt sich hinter einer Hecke,

stürzt sich auf die Haltestelle,

Vorsicht! Vorsicht! Starkes Gefälle.

Der Bus fährt rückwärts und nach vorne,

dreht sich dann noch schnell im Kreis,

dass es dann auch jeder weiß,

aber eigentlich nach vorne.

Der Bus hält an,

die Leute warten,

Väter, Mütter, Kindergarten,

Türen zu,  und Los geht´s dann!

Der Bus fährt durch die ganze Stadt,

klappert alle Straßen ab,

hält vor jeder Haustür an,

schlaft gut, Leute! weiter dann.

Der Bus ist leer, die Leute fort,

er muss nur noch zu einem Ort,

wir sind gleich da, nur frohen Mut

dort ist es schon, Bus schlafe gut.

_________________

Leuchtende Blumen, Glitzerlicht

Freude auf dem Gesicht.

2.7.05  Lilly Lime


Buch 1

 Hinweis. ab sofort wird handschriftliches direkt aus ihren Notizbüchern veröffentlicht.

Ihre Notizbücher bezeichnet Lilly selbst als Buch; sie sind alle durchnummeriert

Buch 1 beginnt am 27.Juni 05


 -Buch 1-


Weht im Rosenstrauch der Wind,

wo die roten Knospen sind,

weht im Rosengarten leise

schnell der Wind auf seiner Reise,

murmeln leise , sacht und still,

wo der Wind grad flüstern will,

Rosenblätter sacht im Wind,

wo die Rosensträucher sind.

27.Juni 05 Lilly Lime


Fröhliches BLatt im Sonnenschein

schön muss es dort draußen sein

fröhliches Blatt im Sonnenschein

dort draußen wie du würd ich gerne sein.

Starker Baum im Sonnenschein

wärmend muss dein Schatten sein

deine Blätter, Zweige, Äste

laden fröhlich für die Gäste

dort zu hohem Turme sitzen

an den allerhöchsten Spitzen

deiner frohen Sonnenburg

bei dem fröhlichen Gelächter

deiner frohen Sonnenwächter,

Froher Baum im Sonnenschein

mit dir/ bei dir will ich glücklich sein,

dort im frohen Sonnenschein.

28.6.05 Lilly Lime


tausend Blätter fliegen im Wind

Herbstwind, Herbstwind weh sie geschwind!

tausend Blätter von meinem Baum,

tausend Blätter am Wolkensaum

bunte Farbenpracht

in der Sonne ihr lacht

bunte Pracht am Wolkensaum

bunte Blätter von meinem Baum

29.6.05 Lilly Lime

Thursday, July 28, 2022

An eine Durstige

 ich gehe hinaus
und trinke vom wind,
vom sturm
der mich lockt
leitet
und führt

irgendwo  dort
zwischen
sonne und mond
gefangen
liegt meine sehnsucht
ruht meine hoffnung
gründet mein schmerz

der weg,
den ich beschreite
der mich trägt
und fort führt
zurück
wird mich hinaufbringen
wenn ich springen will
und fangen
wenn ich nicht fallen kann

mit blutigen knien
und tränenden augen
wische ich das korn aus dem auge
das der wind hinterließ


unachtsam werfe ich es weg
um im nächsten moment
oder dem danach
zu begreifen,
dass ich doch nur dieses wollte

panisch umkehrend
im sand grabend
im kies, auf beton
suche ich es
und finde ein insekt
das seine flügel ausbreitet
und
unachtsam meiner not
davonfliegt
und als der regen kommt
spüre ich den schmerz
in meinem auge
längst nicht mehr

24.08.09 Lilly Lime

Tuesday, July 26, 2022

 <Nein> antwortet sie leise

und sie lächelt nur.

<Es ist das, was uns alle

wahnsinnig macht>


__________________

so kommen sie gelaufen

um mich zu holen,

doch entwischen kann ich ihnen nicht

- so stürze ich mich in den Brunnen


doch unten ist kein Wasser

_____________

als ich im Höllenreich ankam

war es dunkel.

Ich zündete meine Kerze an.

Scheinbar befand ich mich in einer

Felshöhle.  Auf Vorsprüngen waren Toten-

köpfe angereiht ...

Doch Ausgang gab es keinen

- Das also war die Hölle.

___________________________________________

Ende


wenn die Sonne untergeht

dürfen wir uns nicht mehr sehn


15.8.06 Lilly Lime


die Eiche

 eine dürre Eiche steht allein auf einer Heide;

letzter Wegweiser des Todes.

Ich folge ihrem Ruf

Stumm stehe ich bei Nacht auf windgepeitschter Heide,

die Arme zum Himmel erhoben,

Blitze um mich her ...

Wer bin ich?

Der Ruf antwortet mir,

leises Wehklagen der Winde;

der Wind antwortet mir - 

Ich bin ein Geist in der Nacht;

denn wer würde sonst bei Sturm und Winden

unter dieser Eiche stehn ...

Ich hebe mein Gesicht zum Himmel,

nasser Regen auf dem Gesicht;

Dann breche ich in Gelächter aus.

Hell und unbändig.

Teuflisch.

Ich lache und der Himmel scheint mich zu verschlingen.

Die Äste der alten Eiche schwanken über mir

- doch ich lache nur weiter.

Die Schleusen des Himmels brausen auf mich nieder

und die Blitze zucken um mich her ...

Dann schlägt der Blitz in mich ein.

Doch es ist nicht der Blitz,

der dann auf mich herniederfällt,

es ist der Baum, die alte heilige Eiche.

Leblos sinkt mein Körper darnieder,

begraben unter einem Gewirr aus Ästen und Zweigen.

Der geborstene Stamm glänzt noch blutig vom Regen.

Dann laufen kleine Gestalten herbei,

weiß gegen die Nacht;

finden meinen Körper.

Freudig beklagen und bejubeln sie ihr Opfer;

welch freudiger Tag unter der heiligen Eiche ...

Und die Eiche hatte recht,

denn ich bin nur ein Geist in der Nacht ...

- denn wie könnte ich sonst dies alles mitangesehen haben,

gar meinen eigenen Tod ...

und vielleicht war es gar nicht einmal ich ...


30.7.06 Lilly Lime

 Doch der Turm wird einstürzen.

Wie ein Blitz durchzuckt mich dieses Bild. Der vom
Blitz getroffene Turm.

Eine Weile sitze ich nur stumm da.
____________________
Doch der Turm wird einstürzen .../.
_______________

Wie in Zeitlupe sehe ich den Blitz
aufzucken und wieder verlöschen. Sehe
wie er wieder aufblitzt und über den
Himmel rast; genau auf uns zu ...
Genau in den Turm.
Der vom Blitz getroffene Turm,
der Turm in den der Blitz einschlägt ...

Ich zittere leicht, als ich dieses Bild noch
vor mir sehe. Ich atme tief durch,
versuche mich zu beruhigen, presse meine
Hände flach auf die Tischplatte ...
Es wird schon nichts passieren ...

Dann schlägt der Blitz ein.
Der ganze Turm erbebt; beginnt langsam
in sich zusammen zu fallen ...

Dann ... Stille,
Nichts ...

Ich höre das leise Tropfen von Wasser,
irgendwo über mir. Fern wie aus einer
anderen Welt. Wo bin ich?
Ich versuche mich aufzurichten. Mein Kopf
tut so entsätzlich weh. Benommen hebe
ich die Hand, berühre meine Schläfe. Etwas
zähes, flüssiges bleibt an meinen Fingern
kleben.
Vielleicht Blut.
Ich stöhne leise auf, halte die Augen ganz
fest geschlossen, versuche wieder einzuschlafen ...
Irgendwo tropft Wasser, am Ende meines
Bewusstseins.
Erinnerungen/Bilder/Gedanken beginnen in meinen Kopf zu drängen.
Der vom Blitz getroffene Turm ...
Schon am Rand des Schlafs, kann ich diese Gedanken/
Bilder nicht mehr richtig fassen; gleite langsam davon ...

29.8.06 Lilly Lime

Schicksalsbaum -

 die Birken -
jetzt haben sie sie gefällt,/;
bald schon werden sie neue pflanzen
Sommer und Winter hab ich sie gesehn/ beobachtet
Tod und Leben

und Schicksal -
jetzt sind sie tot;
jetzt haben sie sie gefällt ... --
die Bäume / der Baum an dem ich Schicksal sah -
mein Baum ...
Birken
Birken sich wiegend im Wind

manchmal war die Luft ganz klar;/ -
und dann sah ich da Tod
- es könnte ein Tag zum Sterben sein -
__
wäre es ein Monat gewesen 
gäbe es eine(n) Jahreszeit/ Monat
es wäre Tod gewesen / er hätte Tod gehießen -
__
ganz gleich wann
zu jeder Jahreszeit
Sommer wie Winter ...
__
doch manchmal kam die Sonne so/ ganz hell
aus dem noblendeten Osten - ...
dann sah ich Leben -
- es hätte ein Tag der Hoffnung sein können -
Sommer wie Winter,
ob belaubt oder kahl,
immer zeigten mir die Bäume/ die Birken mir 
das Leben,
das Leben und den Tod,
immer zeigten sie mir den  Weg;
__
grauer und blauer Himmel und die Sonne
auf den lichsten Ästen
__
es hätte ein Tag zum Sterben sein können
- doch auch zum Leben.
__
Doch einmal kam die Sonne von Süden,
Südwesten(,) schon zum Abend/ zur Neige hin -
die Sonne so grell ... -
hinter den kahlen Zweigen,
So grell, dass ich kaum hinsehen konnt(e);/,
es war nicht Tod
es war nicht Leben -/,
es war das Schicksal 
pures Schicksal, das ich an jenem Baum sah (-)

Doch nun sind sie Tod,
die Bäume gefällt,
die Stimmen lang schon versiegt -
- bald werden sie neue pflanzen-
doch die Bäume, die Bäume
die mir Sommer wie Winter den Weg zeigten,
die mir das Leben zeigten ...,
die Bäume sind weg/ fort.

16.12.06 Lilly Lime

Monday, July 25, 2022

 nur der blaue Funkenregen in meinem Kopf
der langsam davon strebt
und mich müde macht,
langsam, so langsam

langsam geht sie weiter

der blaue Funkenregen lacht,
(-) er kennt keine Gnade (-)

langsam geht sie weiter
so unendlich langsam. -
dann fällt sie hin

lachend hebt der blaue Funkenregen sie auf
und trägt sie weiter
auf jener blauen heiteren Woge des Glücks
- wie eine Droge -

lachend trägt er sie weiter 
in das blaue Unglück hinein
/weiter hinein in das blaue Unglück -

sie wird nichtmehr aufwachen/ erwachen
sie wird nicht mehr erkennen

längst sind ihre Sinne betäubt
von der blauen Droge des Glücks,
längst ist ihre Wahrnehmung vernebelt
dass sie nichts mehr weiß

längst schon, lange schon ...

Oh zu spät die aufwallenden/ steigenden Nebel gesehn
die sie betäuben und hinwegreißen,
die sie zu Boden ziehn 
in das Reich des Schlafs

Willig hat sie sich der Versuchung hingegeben,
ihr gefolgt bis ans böse Ende,
zu den düsteren Dämonen des Wahn,
ist immer weiter geritten auf ihren wilden Pferden
hinein ins blaue Glück der Droge

Oh(,) es wird böse enden -
denn ein Erwachen gibt es nicht mehr -

schon zu weit ist sie gegangen
auf ihrem düsteren Pfad
schon zu viel hat sie die blauen Nebel/ Dämpfe in sich aufgesogen,
betäubt von ihnen die Sinne,
benebelt der Geist,
das Unglück nicht gemerkt -

so fiel sie nieder unter der blauen Droge
(als sie dort über den Acker ging,
längst gebeugt von der  langen Last)
als nur der Funkenregen sie weitertrug,
lachend,
ins vermeindliche Glück - 

lachend, so heiter lachend ...

doch aus dem Totenreich  gibt es kein fröhliches Erwachen mehr.

blau ist sie entschlafen,
sanft gewiegt,
trunken vom blauen Dunst der Droge,
fröhlich, so fröhlich sich glaubend. -

- lasst sie weiterschlafen,
lasst sie fröhlich ruhn -
der Funkenregen wird sie nur immer weitertragen
durch die blaue Nacht,
weit hinfort
fort von den Landen die sie kannte,
fort ins Glück des lachenden Funkenregens ...

damit hebt er sie auf -
und lachend fliegt er davon,
ins ferne Blau hinein -

und nur ein lachender Funkenregen zur Erde
bleibt seine Spur,
fast ungesehen verglühend,
in der dunklen Nacht

gute Reise, lieber Funkenregen,
gute Reise ...

denn ich werde nicht mehr auf dich reinfallen,
werde dir nicht folgen
in deinen wilden entgültigen Schlaf,
reise ohne mich,
denn ich hab dich lang genug begleitet

reise ohne mich,
gute Reise lieber Funkenregen,
gute Reise auf deinem fröhlichen Lachen.

19.12.06 Lilly Lime

Sunday, July 24, 2022

 Die Wellen schlagen höher immer höher

bis sie über meinem Kopf zusammen

schlagen. Ich bin gefangen. Nur

Wasser. Nur Schlaf und nicht -

sein; kein Herzschlag mehr.

Wenn du mit mir sprichst (so)werde

ich dich nicht hören

Du musst schon schreien; doch selbst

dann werde ich dich vielleicht/

wahrscheinlich nicht hören - denn

unter Wasser ist alles still

nur die Fische sprechen noch,/-

die Fische in meinen Gedanken (...)

- dann ist alles still.

Ich spreche noch. Denn so lang habe

ich nicht mehr gesprochen,

und den Fischen gelauscht, das

ich den Unterschied zwischen

sprechen und hören schon nicht-

mehr kenne - und so spreche ich

nur weiter in meinen Gedanken

auch wenn sonst alles still/ stumm ist.

Nur die stillen Gedankenblasen, wenn die

Fische weiter sprechen.

So musst du wohl schrein

aber hören werd ich dich trotzdem nicht.

Denn die Wellen sind schon längst über

meinem Kopf zusammengeschlagen.


Nur das ewige Kreischen der Möwen bleibt zurück

über einem endlosen Horizont.

So leer (und weit) und leergefegt,

keine Vögel mehr am Himmel,

keine Gischt, keine Wellen

kein Nichts, ja nicht einmal

Meer _______________________

[Bruch]


20.5.07 Lilly Lime


 wenn die dunkle Sonne

die heiße Haut küsst

schlägt das gleich über mir zusammen

rote Kirschen auf den Wangen

Sonnenbrand

so heiß, so heiß (,)

langsam mich verglühend

[...]

Staub aufwirbelnd

auf den heißen Straßen

auf dem heißen Teer

- so laufe ich weiter

(heiße Sonne küsst die Haut

verbrannte Haut auf Sonnenschein

- nur die Roten Kirschen auf meinen Wangen  -,

denn ich brauche die Sonne um glücklich zu sein

- wie ein Süchtiger -

heißer Sonnenbrand auf meiner Haut

heißer Sonnenschein

und Staub

wirbelnder Staub auf den Straßen Paris

nur wenn die (--) Sonne

die heiße Haut küsst ... -

(kann ich glücklich sein)


25.5.07 Lilly Lime

Saturday, July 23, 2022

Prophezeihung II

 Déa hätte nie/ nicht geglaubt dass sie jemals
ankommen würde

wo war sie nur
sie wusste es nicht

langsam schritt/ging sie den Weg entlang
der Kies knischte unter ihren Füßen/Schritten

wo war sie nur?
sie wusste es nicht und so ging sie
weiter; sie würde es schon herausfinden

Doch niemand konnte ihr den Weg sagen
denn niemand war je dort gewesen; / -
(↑?)
und so ging sie nur weiter ohne ihn/ den Weg zu kennen
einfach so ins Blau der Morgendämmerung hinein
sie würde schon einen Weg/"ihn" finden/ würde schon hinfinden ...

doch die Tunnel hörten nicht auf
und kein Licht drang zu ihr durch
- und so ging sie nur
ohne zu wissen wohin
denn sie konnte ja nicht sehn
(↑?)
denn selbst ihr Mut war erloschen
bis selbst der fahle Schimmer nichtmehr blieb
der sonst [immer] von den Felswänden ausging

und so ging sie weiter in Dunkelheit
hinein in die Nacht
in dem ewigen Irren aus Felswegen
aus dem sie nie einen Ausweg finden würde
in dem ewigen Labyrinth
der Nacht
ihrer Seele

sie würde nichtmehr aufwachen
aus diesem Traum gab es kein Erwachen
[...] -
[denn sie war schon tot]
aus diesem Traum gab es keine Rückkehr
denn es hatte keinen Sinn
/ denn sie kannte den Weg nicht
und so schlich sie nur immer weiter
den Weg suchend
den es nicht gab
so lief sie nur immer weiter
[ - ? - ]

ohne einschlafen [zu können]
denn es gab kein Erwachen mehr aus diesem Traum
(↑?)
nur dunkle Felswände
die langsam vorbeischlichen
nur dunkle Täler
die doch Halluzinationen waren -

und so ging sie weiter
[ - ]
hinein in die Nacht
nur immer weiter dem Untergang entgegen
- es spielte keine Rolle mehr -
nur eine kleine Gestalt in der Nacht
leise?/leicht? schimmernd in der Nacht
 - doch selbst dieses Schimmern nahm sie schon nichtmehr wahr (-)
(-) so weit war sie schon [gegangen]

nur die dunklen Felswände
die sie langsam zu verschlingen drohten
und sich immer tiefer?/dichter?/? auf sie herablehnten -
doch tapfer ging sie weiter,
hinein in die Nacht
[hinein in den Untergang]

[doch es würde nichts zurückbleiben
/doch es machte nichts
sie lächelte nur/leise
({ ) nun hatte sie es geschafft/hinter sich
/nun war es vorbei (?)

und so ging sie weiter in die anbrechende Nacht
die sie schon nicht mehr sehen konnte
- denn ihre Augen waren blind geworden
vom ...?/andauernden?] Licht;/./ -

es war gut
sie würde ihren Weg fühln
- mit dem Herzen lief es sich besser -
und so lief sie nur leise davon,
die rauen Füße über den harten Boden tastend (...)
es war gut/ es machte nichts (-)
(-) denn ihr (?)/Schutzengel?/...? war bei ihr
und so lächelte sie nur (noch einmal)
bevor ihr Licht [endgültig] erlosch in die?/(der?) hereinbrechende(n?) Nacht
es war gut - _/--? sie brauchte ihr Licht nichtmehr
[und so blieb nur dieses weiße  Licht bis zuletzt [ - ]
- als alles verschwand]   ---------
[dann war sie taub(?) für die Schreie(n) der anderen]

27. Juni 07 Lilly Lime