Thursday, August 25, 2022

Geständnis einer schwarzen Witwe

 als schwarze Witwe

trage ich einen schwarzen Schleier,

hauchdünn gewebt,

mein Gesicht verdeckend,

mich verhüllend und verschleiernd

damit mich keiner erkennt,

keiner von meinen Opfer,

wenn ich auf Todeslauer bin

in meinem schwarzen Netz,

hauchdünn gewebt

aus seidenen Tränen ...

die ich weinte,

über all die verlorenen Seelen,

die flohen in mein Netz,

die starben unter mir,

all die verlorenen Seelen,

die mein Bann verfluchte ...

all meine Opfer.

mit harter Gewissheit sage ich dies,

euch warnend dass ihr nicht kommt,

zu enden in meinem Netze

denn ich will euch nicht,

ich will euch nicht mehr töten ...

so sitze ich in meinem Netz,

bei grauer Morgendämmerung

und warte ...

auf meine Opfer

die nicht kommen sollen ...

ich verzehre eine Grille,

mein Körper ist abgemagert,

zu wenige Opfer die letzten Jahre,

zu wenig Blut um gut zu leben,

zu wenig Liebe

von meinen Opfern gegeben ...

einsam

wickle ich meinen schwarzen Schal um mich,

sitze weiter in meinem Netz,

allein,

wartend auf verstorbene Opfer,

zu ihrem Totengang

verschleiert und verkannt,

nicht wissend wer ich war.

vergebt mir,

ach vergebt mir

wenn ihr für mich nur starbt ...

______________________

Kein Erbarmen

oder: Versuchung vor dem Tod

oder: Methoden einer schwarzen Witwe

all die toten Spinnen in meinem Netz,

all die toten Opfer,

so viele Grillen und flehende Falter,

nicht ahnend

unter meinem zart verschleierten Hauch,

nicht glaubend,

dass sie sterben sollten

im Angesicht einer Witwe ...

doch ich bin eine schwarze Witwe,

eine schwarze Witwe auf Todeslauer ...

so steche ich euch alle nieder

mit meinem grausamen mordenden Stachel,

verspinne euch in meinem Netz,

gare euch und fresse euch,

bis nichts mehr von euch bleibt,

nur ein Loch in meinem Netz

wo ihr einst lagt,

schnell zu flicken,

leicht zu vergessen,

so leicht

wie die Namen jener,

die mir zum Opfer fielen ...

ich sitze in meinem Netz

und warte auf euch,

ich sitze da und laure

blutlüstern ...

wartend auf neues Blut,

zu schlürfen und zu trinken,

neue Lebensmasse

zersetzt von meinem Gift,

euch lähmend und hypnotisierend,

bis ihr nichts weiter wisst ...

nur leere Hüllen

und Leibesnahrung,

Seelennahrung ...

mir gebend von eurem Leben,

dass ich so bittersehr brauche ...

denn nur durch euch lebe ich,

durch euer Blutopfer,

... durch euren Tod.

so kommt und lasst euch morden

ich werd euch auch nichts tun

so kommt und lasst euch essen

seid weiter unbesorgt

- Begräbniskosten zahle ich ...

doch kommt nur schön

kommt unbesorgt

so kommt nur in mein Netz ...

denn ich bin gnadenlos am Werk

und krieg euch ohnehin

- so kommt doch lieber freiwillig ...

so sitze ich nun da

und lass euch alle wissen,

dass ihr nur kommt und spielt mit mir

und seid nur recht beflissen

denn tuen werd ich euch nicht viel

nicht viel aus meiner Sicht ...

so kommt!

seid frohen Muts und kommt

zu mir zum Mittagsschmaus,

bleibt auch zu Nacht

zu Gast bei mir

und dann so lang ihr wollt,

nur kommt und kommt recht bald,

denn warten kann ich nicht mehr lange ...

als schwarze Witwe

sitze ich in meinem Netz,

wartend auf neue Opfer,

euch ladend zu meinem Fest ...

als schwarze Witwe

verschleiert und gekrönt,

thronend in meinem Netz,

ach kommt nur,

ich werd euch schon helfen ...

all die toten Fliegen in meinem Netz,

warten auf euer Geleit

all die toten Opfer verscholln

kamen auch nicht ferner weit,

all die toten Schwestern und Brüder,

verstarben in meinen Armen,

ich weiß, ich bin schlimm,

doch schwarze/tote Witwen

haben kein Erbarmen.

9.01.2005 Lilly Lime

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