als schwarze Witwe
trage ich einen schwarzen Schleier,
hauchdünn gewebt,
mein Gesicht verdeckend,
mich verhüllend und verschleiernd
damit mich keiner erkennt,
keiner von meinen Opfer,
wenn ich auf Todeslauer bin
in meinem schwarzen Netz,
hauchdünn gewebt
aus seidenen Tränen ...
die ich weinte,
über all die verlorenen Seelen,
die flohen in mein Netz,
die starben unter mir,
all die verlorenen Seelen,
die mein Bann verfluchte ...
all meine Opfer.
mit harter Gewissheit sage ich dies,
euch warnend dass ihr nicht kommt,
zu enden in meinem Netze
denn ich will euch nicht,
ich will euch nicht mehr töten ...
so sitze ich in meinem Netz,
bei grauer Morgendämmerung
und warte ...
auf meine Opfer
die nicht kommen sollen ...
ich verzehre eine Grille,
mein Körper ist abgemagert,
zu wenige Opfer die letzten Jahre,
zu wenig Blut um gut zu leben,
zu wenig Liebe
von meinen Opfern gegeben ...
einsam
wickle ich meinen schwarzen Schal um mich,
sitze weiter in meinem Netz,
allein,
wartend auf verstorbene Opfer,
zu ihrem Totengang
verschleiert und verkannt,
nicht wissend wer ich war.
vergebt mir,
ach vergebt mir
wenn ihr für mich nur starbt ...
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Kein Erbarmen
oder: Versuchung vor dem Tod
oder: Methoden einer schwarzen Witwe
all die toten Spinnen in meinem Netz,
all die toten Opfer,
so viele Grillen und flehende Falter,
nicht ahnend
unter meinem zart verschleierten Hauch,
nicht glaubend,
dass sie sterben sollten
im Angesicht einer Witwe ...
doch ich bin eine schwarze Witwe,
eine schwarze Witwe auf Todeslauer ...
so steche ich euch alle nieder
mit meinem grausamen mordenden Stachel,
verspinne euch in meinem Netz,
gare euch und fresse euch,
bis nichts mehr von euch bleibt,
nur ein Loch in meinem Netz
wo ihr einst lagt,
schnell zu flicken,
leicht zu vergessen,
so leicht
wie die Namen jener,
die mir zum Opfer fielen ...
ich sitze in meinem Netz
und warte auf euch,
ich sitze da und laure
blutlüstern ...
wartend auf neues Blut,
zu schlürfen und zu trinken,
neue Lebensmasse
zersetzt von meinem Gift,
euch lähmend und hypnotisierend,
bis ihr nichts weiter wisst ...
nur leere Hüllen
und Leibesnahrung,
Seelennahrung ...
mir gebend von eurem Leben,
dass ich so bittersehr brauche ...
denn nur durch euch lebe ich,
durch euer Blutopfer,
... durch euren Tod.
so kommt und lasst euch morden
ich werd euch auch nichts tun
so kommt und lasst euch essen
seid weiter unbesorgt
- Begräbniskosten zahle ich ...
doch kommt nur schön
kommt unbesorgt
so kommt nur in mein Netz ...
denn ich bin gnadenlos am Werk
und krieg euch ohnehin
- so kommt doch lieber freiwillig ...
so sitze ich nun da
und lass euch alle wissen,
dass ihr nur kommt und spielt mit mir
und seid nur recht beflissen
denn tuen werd ich euch nicht viel
nicht viel aus meiner Sicht ...
so kommt!
seid frohen Muts und kommt
zu mir zum Mittagsschmaus,
bleibt auch zu Nacht
zu Gast bei mir
und dann so lang ihr wollt,
nur kommt und kommt recht bald,
denn warten kann ich nicht mehr lange ...
als schwarze Witwe
sitze ich in meinem Netz,
wartend auf neue Opfer,
euch ladend zu meinem Fest ...
als schwarze Witwe
verschleiert und gekrönt,
thronend in meinem Netz,
ach kommt nur,
ich werd euch schon helfen ...
all die toten Fliegen in meinem Netz,
warten auf euer Geleit
all die toten Opfer verscholln
kamen auch nicht ferner weit,
all die toten Schwestern und Brüder,
verstarben in meinen Armen,
ich weiß, ich bin schlimm,
doch schwarze/tote Witwen
haben kein Erbarmen.
9.01.2005 Lilly Lime