Thursday, June 30, 2022

Tage am See der Verzweiflung


I. Ort der Sehnsucht und Verzweiflung


Das ewige Schreien der Möwen umgibt den See,

wie ein Schleier fällt ihr schwarzer Pony ihr ins Gesicht;

den Kopf auf die Knie gestützt, die Beine umschlungen, sitzt sie da.

Es ist ein Ort der Sehnsucht und der Verzweiflung gleichermaßen.

( Dort, an jenem See des Unglücks.)


Leises Hufgetrappel kündigt seine Ankunft an,

doch sie blickt nicht auf.

Leise schnaubend bleibt er vor ihr stehen, fast beruhigend;

unruhig scharrt er mit den Hufen/ am Boden, da sie noch immer nicht aufblickt,

stößt energisch den Kopf in die Luft.

Unter dem Schleier ihrer Haare lächelt sie leis(e).

<Kannst du noch immer keinen Frieden finden?>

Sie schüttelt unwohl den Kopf.

Mit einem traurigen Wiehern tänzelt er näher an sie heran,

knabbert sacht/sanft an ihren Haaren;

Fast gegen ihren Willen greift sie nun doch mit den Händen in seine Mähne,

saugt seinen wilden Geruch ein.

Er schüttelt sich leicht;

mit einem unruhigen Schnauben weicht er zurück,

ist wieder ein paar Schritte von ihr entfernt.

Aus den Augenwinkeln heraus beobachtet sie ihn,

den schönsten aller wilden Pferde,

folgt jeder seiner Bewegungen mit den/ ihren Blicken.

Er schüttelt sich leicht, noch einmal schnaubend

- fast schon drängend.

<Du solltest (hier?) nicht warten.>

Dann ist er fort,

nur noch sein leichtes Hufgetrappel zwischen den Felsen.


Mit einem aufatmen/ aufseufzen (?) vergräbt (?)/verbirgt sie den Kopf in die Hände,

lässt endlich den Tränen freien Lauf

 - wie konnte es nur so weit kommen?


Lange sitzt sie so

am See der Traurigkeit, einsam,

nur die Möwen über ihrem Kopf zur Gesellschaft.

Würde er je wiederkehren ...

würde die Vergangenheit noch einmal geschehen dürfen?

Und wie ein Vorhang umhüllt Traurigkeit die Szene (am See),

vom Schreien der Möwen eingelullt.

   13.03.15 Lilly Lime



II. Der Tag danach 


(Nur) das (einsame) Rufen eines Raben

hallt über den See des Unglücks.

Es ist der Tag danach;

(nachdem alles aufgegeben wurde).


Noch immer sitzt sie still und reglos,

den Kopf gesenkt, die Hände untätig

- doch im Herzen nur noch ein wenig ratlos/ nicht mehr so ratlos.

Sie weiß ihren Pfad:

den Weg der Aufgegebenen;

sie weiß ihr Werk:

das des Sprechens;

und sie kennt ihr Herz:

dass es erneut zerspringen mag.


Einst hatte sie es in drei Teile geteilt;

so mag es geschehen.


Doch ihre Seele muss wieder eins sein,

ihr Geist nicht mehr zersplittert und verborgen,

ihr Pfad muss klar sein:

nur das Ziel ist es, das zählt,

und der Weg ist ohne Bedeutung.


So geh in Frieden.


Still schweigend sitzt sie auf ihrem Stein,

den gebeugt,

doch ihre Gedanken sind längst

auf einer langen Wanderschaft.


Doch diesmal wird sie nicht mit den Wildpferden laufen (/rennen?)

oder mit dem Raben fliegen (können) ...

diesmal wird sie ihren Weg alleine gehen müssen

und keine Birken werden über ihr schwingen,

denn es ist ihr Weg, ihr eigener.

14.03.15 Lilly Lime



III. In den Fußspuren der Hoffnung


In den Fußspuren der Hoffnung

folge ich seinen langsamen Bewegungen.

Wieder zum Fluss zurück.


Erst vor kurzem war die Sehnsucht gegangen,

und wie einen Winteratem

kann ich ihre/ seine (?) Spur noch vor mir sehen. (...)


In den Fußspuren der Sehnsucht folge ich ihm nach,

doch die Augen sind noch immer auf die Hoffnung gerichtet;

wird er mich fallen lassen?


Auch wenn ich meine Seele nicht mehr sehen kann,

weiß ich doch im Grunde,

dass sie immer noch über jenem Abgrund baumelt,

vom Weiß der grellen Wände umrahmt.

Was wird geschehen, wenn ich jenen Felsenpfad zu Ende gehe?


Hinter mir höre ich das Rascheln von Federn,

und auch die Möwe ist wieder mit mir -

- diesmal in Gestalt eines Seeadlers,

Vogel meiner Seele, Vogel meiner selbst (?).


Verärgert plustert sie sich,

dann hüpft sie hinter mir her.

Und ich lächle leis;

es ist gut die Freude mit mir zu haben.


Und vor uns geht die Hoffnung vorüber,

in seinem Charakter unsichtbar

- und doch kann man seine Spuren sehn

und ihn vorübergehen spüren.


Wir folgen ihm, ich und der Vogel meiner Seele,

der Seeadler, mal hüpfend mal fliegend neben mir.


Am Abgrund des Kliffs halten wir Inne,

tief  die frische Seeluft atmend,

uns fragend, wo die Hoffnung geblieben ist ...

Unten, am Fuß der Anhöhe,

sind die frischen Spuren eines Wildpferds noch deutlich zu erkennen

- und ich weiß, auch die Sehnsucht ist hier vorbeigekommen.


Doch wohin nun?

Sollen wir ihm folgen,

oder lieber nach Spuren der Hoffnung suchen?


Beiderseits, es ist gleich ...

und so gehe ich in die Steppe hinein,

den Kopf zum Nachthimmel erhoben,

die frische Brise im Nacken.

Und über mir das Schreien eines Adlers ...


Mag kommen was kommen mag.

[   ]


18.03.2015 Lilly Lime



IV. Das verlorene Herzstück


Reglos sitzt sie da,

wieder einmal ihr Herz in Händen.

Wie viele Tage waren bereits vergangen,

am See der Verzweiflung?


Sie hätte es nicht zu sagen gewusst ...

- und doch Zählte nur die Frage um ihr Herz

                                  das verlorene Herzstück;

sie musste es um jeden Preis finden.


Wo die ersten beiden Fragmente waren

wusste sie wohl

- hatte sie sie nicht selbst ausgehändigt ...

- doch das dritte

das dritte Herzstück blieb verschwunden -


Prüfend hebt sie den Kopf und blickt um sich,

doch kein Indiz, kein Hinweis -

wer auch immer es genommen hatte, blieb unsichtbar.

Oh, diese vermaledeite Hoffnung ...


Sollte sie nur auf die ersten beiden Teile setzen?

Konnte sie noch auf diese beiden hoffen?


Nein.


Nach all den Jahren wusste sie zu deutlich:

sie würden ihr nicht helfen,

nicht sie erlösen

und auch nicht sie heilen. [   ]


Doch,

ob sie auf das dritte Herzstück setzen durfte?

Würde er kommen?

Oder würde er sie fallen lassen?

Verzagen? ...

... wie so viele Male. -


Es gab keine Hoffnung

- es durfte sie nicht geben -

es war nur eine Illusion.


Ihr Herz musste auf immer zersprungen/ge-? bleiben. [   ]


Mit einem leisen Seufzen steht sie auf,

noch einmal den See der Hoffnung und Verzweiflung zu überblicken.

Doch nichts regt sich.

Waren wirklich erst so wenige Tage vergangen? ---


Und so geht sie -

- hinein in die Nacht,

hinein in die Unendlichkeit

Wieder einmal -


Es würde keinen Unterschied bereiten,

ob sie es beenden wollte oder nicht.

Sie würde fallen.

(Und so sollte es sein.)

[   ]

23.03.15 Lilly Lime



V. (Verkehrter?) Himmelsturz


Mit dem Aufheulen des Sturms

Werfe ich die Sehnsucht über Bord

- nun folge ich nur noch

in den nackten Fußspuren der Hoffnung ...

wird sie/er den Mantel der Unsichtbarkeit je/noch(?) abwerfen,

eh das Wasser seine/ ihre Fußspuren verlöscht hat? ...


- es ist passiert -

Der Himmelsturz wurde hinangedreht -

Nun lasst uns nach oben fliegen ... -

29.3.15 Lilly Lime



VI. /VII? Dunkle Träume


Seit Tagen haben wir ihn nun verlassen,

den See der Verzweiflung,

doch noch immer glaube ich in meinen Träumen

das Schreien/ Krächzen(?) der Raben über seinen dunklen Wogen \ ? zu hören [...]


Dann wieder ist es das Ächzen der Planken?

In jenem winzigen Boot bevor wir sinken,

vermischt mit dem Trappeln seiner Hufe.

In meinen dunkelsten Träumen

sieht er mich an,

doch ich weiß seinen Blick nicht zu deuten ... [   ]


[   ]

Wieder stehe ich auf jenem Kliff,

der Wind durch meine Haare peitschend,

- Seewind -

Und der Adler kreist über mir -


<Komm!>, spricht sie mich an

<lass uns weiterziehn/- gehen(?)>,

doch ich zaudere noch,

plädiere fast fürs umkehren ...


Und doch,

ich weiß dass es vorbei ist

- jenes Dunkle wird mich nicht mehr greifen mögen ...

                                                                  [-]

1.4.2015 Lilly Lime


Lilienteich

leuchtende Rosen

auf schwarzem Wasser,

leuchtend,

so leuchtend rot,

wie weiße Lilien

im Herbstwind


glühende Rosen

auf schwarzem Wasser,

glühend rot

wie Blut,

glühend mit Leben,

im weißen Lilienteich

im schwarzen Wasser


rote Rosen

zwischen weißen Lilien

auf schwarzem Wasser,

wie Blut

und Schnee

und Ebenholz


weiße Lilien

auf schwarzem Wasser,

wie weiße Lilienblätter

im Teich,

im schwarzen Lilienteich.


21. Sept. 05 Lilly Lime



Goldene Trauben

auf weißem Blut

mit schwarzem Ebenholz

erschlagen vom Schlaf


4. Sept. 05 Lilly Lime

die weißen Wände verblassen schon langsam

hinter dem grau des Tages

Licht schimmert durch das Fenster

graue Streifen

auf grauem Licht

auf grauendem Hintergrund

(---) grau wie ich


meine graue Seele

baumelt lose im fahlen Tageslicht

lose, so lose

nur wenige Zentimeter

über dem Abgrund

nur an einer dünnen Schnur/Lebensschnur,

so dünn,

nur das fahle Tageslicht

hält sie noch


wer bin ich ?


ich weiß es nicht

und werde es auch nie erkennen.

denn nur wenn die dünne Seele

vor Gott baumelt

erfährt man

wer man wirklich ist.

Nur das Schicksal vielleicht

nur das Schicksal

erkennt die wahre Seele (...)


doch noch ist nicht mein Tag

und so werde ich weiterirren

(durch dieses verrückte Leben)

ohne zu wissen wer ich bin

noch immer nicht wissend wer ich bin.

Es ist gut so.


es ist gut so Schicksal


und ich gehe den schmalen Pfad entlang

zurück zu meiner baumelnden Seele

noch immer an jenem

dünnen Faden

noch immer

über dem Abgrund (...)


wird sie fallen?

(...)


28.01.07 Lilly Lime

Wednesday, June 29, 2022

die verlorenen Stimmen

 

wenn die Stimmen verloren gehn

wie solln wir dann noch schrein

noch rufen

noch werfen


wie solln wir unsre Sprecher erkennn

und die andern verrufen

wie solln wir die falschen verdammn

und die richtigen fluchen

wie solln wir die Redner noch rufen

wenn sie alle verschwunden sind


nur die Wüste ist geblieben,

die leere Wüste und das Meer -


wie solln wir  unsre Sprecher noch rufen

wenn sie nichtmehr da sind

wie solln wir Worte finden

die es nichtmehr gibt

wie solln wir euch erkennn

und beim Namen rufen

(...)


all das gibt es nichtmehr -

weil wir unsre Stimmen

verloren haben

nur die Wolken bleiben zurück

die Wolken am leeren blauen Himmel


dort schrein wir dann

die Worte hinauf

die keiner mehr hört

dort schrein wir dann

die Botschaft hinauf

die keinen interessiert

dort suchen wir dann

was von uns noch bleibt

denn die Stimmen sind verloren

die Seelen haben wir verkauft

an eine Welt ohne Worte


nur die Welt bleibt zurück

so still ohne Worte


und ein Falke am luftleeren Himmel,

schwebend über der Welt

schwebend

über all dieser stillen Welt

über der Betroffenheit

der Verlorenheit

der stummen Entsetztheit

dass wir nichtmehr schreien können

wenn wir stürzen

denn wir stürzen, wir stürzen,

hinab ins Nichts

und nichts wird uns aufhalten


nur der klare blaue Himmel

der uns zu verschlingen droht


mit stummem Entsetzen

sehen wir

dass wir nicht mehr schreien können

(dass wir nichtmehr leben können

in dieser stummen Welt)

wir müssen reden, sprechen


wenn die Worte zurückfliegen

zurückgeflogen kommen

müssen wir sie wiedererkennen

denn so lang

haben wir nichtmehr gesprochen

so lang,

schon so lang ...


nur die stille Verlorenheit

wenn wir erkennen

dass wir nichtmehr schreien können


denn wir haben unsre Stimmen verlorn


(...)


nur die Stille bleibt zurück

und die Stummheit


also schreit

wenn ihr es

noch könnt


schreit

wenn ihr eure Stimme noch habt

denn es ist vielleicht

das letzte mal

dass ihr diesn Falken am

luftleern Himmel seht

bevor die Welt

in Schweigen versinkt


also schreit -

denn auch wir

haben unsre Stimmen verlorn


die verlorenen Stimmen

und die stille Traurigkeit


1. Jan. 07 Lilly Lime

Tuesday, June 28, 2022

So hasst du mich doch 


Warum hasst du mich ?

Ist es,

weil ich dich gehasst habe?

weil du mein Todfeind warst?


So habe ich mein Glück doch verspielt.

Denn so bin ich nur dein Todfeind,

wie du der meine warst ...

Und es ist alles meine Schuld.


Doch warum willst du mich hassen ?

wo du dich doch immer geweigert hast

mich zu hassen,

damals , als ich dich hasste ...


Was habe ich dir getan?


Ist es, weil ich dich gehasst habe?

Sind nun unsere Rollen getauscht,

und ich der Todfeind, du der Hasser ...

Dann ist es wohl so ...


Ich bin dein Todfeind

und du musst mich hassen,

doch um mich richtig zu hassen,

musst du mich für immer hassen ...

- doch nicht in Ewigkeit 


Todfeindfreundin


Tausend Splitter

in meinem Gesicht,

warum hilfst du mir nicht?

zum Teufel,

warum hilfst du mir nicht!


Ich dachte,

du wärst jetzt meine Freundin,

ich dachte,

du hättest mir verziehn ...


So hasst du mich jetzt doch ,

jetzt, da ich dich nichtmehr hasse;

so bin ich jetzt dein Todfeind,

dein Blutfeind,

den es zu hassen gilt.


Tausend Splitter

in meinem Gesicht,

warum hilfst du mir nicht?

Ach ja,

einem Todfeind hilft man ja nicht.


die andere - Freund und Feind


Du dachtest,

ich würde dich hassen,

und doch warst du es,

die hasst.


Du glaubtest dich meinen Todfeind,

und doch warst immer nur du es,

die andere hasste

auf Tod und Blut.


Denn du hast mich doch gehasst,

mich deinen Feind erklärt,

hast mich geliebt

und doch gehasst ...


Und ja,

ich war dein Feind,

doch du niemals der meine,

meine Freundin auf Tod und Blut.


Du warst der Hasser,

ich gehasst,

und doch ...

war es nur immer meine Schuld.


Denn ich wollte dich nicht hassen,

wollte dich lieben und mögen,

Freundin,

mit teuer auf Leben und Blut.


Doch nie wolltest du dies sein,

nie meine Freundin für lange,

nur Feind und Tod und Blut,

hassend für immer,

doch niemals gehasst,

doch nicht in Ewigkeit,

ein Leben,

nie zu lange ...


So bin ich dein Feind

und du bist mein Freund,

doch niemals

werden wir uns in der Mitte treffen,


denn ich weiß,

dass du mich hasst

und glaubst,

ich würde dich hassen,

doch ich,

ich kann dich nicht lassen,

bin verdammt dich zu lieben,

auf immer und ewig,

meine Freundin auf Tod und Blut,

und ich , der Feind.


15. Sept. 2005

copyright @ Lilly Lime 





Stacheln und Dornen

 

Stacheln in meinen Augen,

Dornen in meinem Gesicht,

warum seht ihr sie nicht,

diese Stacheln und Dornen ...


Es sind eure Stacheln,

eure Stacheln

in meinen Augen,

Giftstacheln.


Es sind eure Dornen,

eure Dornen in meinem Gesicht,

kratzende, beißende,

tödliche Dornen.


Eure Stacheln und Dornen

durchbohren mich,

eure Stacheln und Dornen

in meinem Gesicht,

warum seht ihr sie nicht?


Eure Stacheln

in meinen Augen,

verschleiern meinen Blick ...

bis ich euch nichtmehr sehe.


Eure Dornen

in meinem Gesicht,

durchbohren mich mit Schmerzen ...

bis ich nichts mehr spüre.


Stacheln in den Augen

und Dornen im Herzen,

Dornen in meinem Gesicht,

ich sehe euch nicht,

denn ich will euch nicht sehn.


24. Sept. 05 Lilly Lime

verrückt


ich sterbe,
sterbe im Kummerwind
meiner Seele,
im tausendsplittrigen
Ästeblatt,
doch ich sterbe noch nicht ...

ich sehe dein Gesicht,
dein Gesicht im Wind,
fiebernder Halluzinationen
im Fieberrausch
einer Verrückten,
denn ich bin verrückt ...

verrückt im Wahnsinn
meiner Seele,
verrückt im Kummer ...

ich sterbe
ja ich sterbe ...

doch noch nicht jetzt,
verrückt,
so verrückt,
dem Wahnsinn verfallen ...








Lachend im Wind,
im kalten Sommerwind
meiner verrückten Seele


24. Sept. 05 Lilly Lime

Sternentanz

 

Ich tanze durch die Nacht

der Sterne,

tanze mit dir,

tanze mit dir am Sternenhimmel,

höre dein Lachen

in meinem Haar,

sehe mein Lachen

in deinen Augen,

sehe mein schwarzes Haar

hinter uns fliegen,

spüre das Leuchten

der Sterne um uns her,

tanze mit dir

im Glück

über Sterne,

tanze im Glück

einer Sternennacht,

denn ich tanze

mit dir.


19.Okt. 05 Lilly Lime

Ich war zu dumm


 Ich war zu dumm.


Ich war zu dumm zu erkennen,

wie die Dinge wirklich stehn,

glaubte zu erkennen,

was der Tag geschlagen ...

und doch irrte ich ...


Ich war zu dumm.


Das Leben wäre so einfach gewesen,

wenn es so wäre, wie ich glaubte,

das Leben wäre zu bitter gewesen,

um es zu ertragen ...

deshalb floh ich ...


Doch jetzt weiß ich,

es war ein Fehler,

nichts war so wie ich glaubte,

es klärte sich alles von selbst


- nur ich war zu dumm,

es zu erkennen,


ich war ein Narr

dass ich glaubte alles zu verstehn,


ich war dumm,

als ich floh,

dumm und starrköpfig ...


Ich war zu dumm

zu erkennen,

wie die Dinge wirklich sind ...


erst jetzt weiß ich es


- doch kann ich wieder zurückkehren? ...


23. Okt. 05 Lilly Lime

ach bitte tanz mit mir

 

Warum läufst du vor mir davon,

was hab ich dir getan?

Ich bin verzweifelt ganz und gar

in meinem Fieberwahn ...

seh dein Gesicht vor mir in Trance,

und voller wilder Pain,

ach bitte geb mir eine Chance,

denn so viel Glück muss sein,

lauf doch nicht immer weiter weg,

ach bitte bleibe hier,

ich weiß nicht, warum rennst du weg,

ach bitte tanz mit mir.


12.11.05 Lilly Lime

Feuerflügel

Feuerflügel wachsen

aus meinem Rücken,

Feuerflügel in meinem Gehirn,

Feuer, überall Feuer,

feurige Fliegenschwärme

in der Luft,

Feuerfliegen in meinem Gehirn,

imaginäre Flügel aus

meinem Rücken,

Feuerflügel zum Fliegen,

fleigen mit Feuer,

fliegen durch Feuer,

wie ein Spiel mit dem Wind ...


15. Nov. 05 Lilly Lime

hab gewartet

 

Ich hab meine letzte

einsame Nacht gehabt

hab niemand mehr gesehn,

hab einsam gewartet

bis ihr wiederkamt.


meine einsame Nacht

                 hab ich verbracht

auf Brücken und beim

                Wasser,

hab euch trotzdem

nicht Bootfahrn sehn ...


ihr seid wiedergekommen

und ich hab immernoch gewartet,

es ist gut so.


15./16. Jul. 06 Lilly Lime

Monday, June 27, 2022

(hands frosted with snow)


until my hands go numb

and I can feel no more

frosted with snow


still scribbling on

the lost pen falling from my fingers

frosted with snow


ice snowflakes in my hair

falling down

drizzling down while melting

                      in my hair

(no longer icy cold) (?)

falling on my fingers

frosted in snow


spidry cobwebs forming on them

as scrawled upon my hand(s)

drawn by tiny little spiders

            with tiny little strokes

forming and following unknown endless patterns

melting on my

            dried up cold skin

- still warm with life -

forming little drops and dripplets

falling, toppling on

           further down

frosting again

           just in motion

forming new cobwebs on my fingers


my hands are cold

I can't feel them any more

(can't move them)

(-) frosted with snow


long ago they 'd started hurting

when freezing in the cold had started

but now the pain is ceasing

can't feel even that


my hands are too cold to move them

I can't go on writing any more

my story will end here

I won't, can't write on -

goodbye (...)

my hands are too cold

frosted with snow

the adamant lines

of spidry work

closing over my veins

closing as they're gonna explode

as my blood is starting to freeze ...


the last lines

            - the last few words -

                        I've only thought

for I can't write any more,

my hands are too cold

frosted with snow;

you must 've imagined them,

these last few words

for I can't have told you

without writing - ...

and so you must have imagined them;

you 'll have to imagine yourself

these last few scenes/minutes

when my fingers freeze,

when my blood ceases running

when my heart blood freezes

- you 'll have to imagine them

for I can't tell you anymore,

just as you imagined these

last few words (...)


goodbye -

for my hands are too cold now

frosted with snow

only snow

drizzling down from falling trees

closing in the air

closing in on me

like 1000 stars of dazed bewilderment

can't see them anymore

only imagine them

- my eyes are closing -

can't see them anymore

falling on my hands

frosted with snow

(...)


19.3.07 Lilly Lime


eine verlorene Liebe


Schnee unter meinen Füßen,

wie Tränen so weiß,

gefrorene Tränen

aus Schnee und Eis.


Verloren bin ich dir schon lange,

verloren nunmehr gar,

nur manchmal

denke ich noch zurück

an jenes vergangene Jahr ...


sah dich im Frühjahr und im Sommer,

und manchmal auch im Herbst,

sah dich zu weilen hier und da

und wusste,

dass es seltsam war.


sah dich im Herbst

und auch im Sommer,

im Frühjahr, jenes Jahr,

doch im Winter,

da wusste ich,

dass nun alles zu Ende war.

dass unsere Liebe vergangen war.


im bitteren Winter

wandle ich über Schnee und Eis,

Schnee wie Tränen so weiß,

Tränen in meinem Winter.


Ich denke zurück

an vergangenen Herbst,

an die Blätter

wirbelnd im Wind

in jenem unwirklichen Herbstlicht,

eine ferne Sehnsucht,

die ich mit dir teilte ...


im Sommer

standen wir am Meer,

unsere Haare fliegend im Wind,

mein schwarzes Haar,

vermischt mit deinem,

die Winde um uns her,

an jenem Tag im Sommer ...


im Frühjahr

war es, dass ich dich traf,

an jenem lauen Frühlingstag,

an jenem Frühlingstag,

da du mir dein Lächeln schenktest ...


doch nun ist es Winter

nun ist unsere Liebe verloren,

verraten im hoffnungslosen Winter ...


alleine

laufe ich über Schnee und Eis,

wie Tränen so weiß,

wie die gefrorenen

Tränen auf meinem Gesicht ...


hast du mich nun vergessen ...

ich weiß es nicht ...


doch im Frühjahr,

im nächsten Frühjahr

will ich dich wiederfinden,

mit neuer Hoffnung ...


doch noch ist Winter

(und unsere Liebe verlorn ... )


28. Nov. 05 Lilly Lime




 

Winterhexen

 

Winterhexen

tanzen durch den Schnee,

tanzen um ihr Feuer,

tanzen und kreischen

in der Nacht,

beschwören Kälte

und Frost herauf,

schleudern Eis und Schnee

auf die Lande,

kreischen in der ewigen Nacht

des Eises,

tanzen in ihrem

Winternachtstraum,

um Eis und Schnee

der ganzen Welt,

tanzen Eis und Schnee herbei,

beschwören Kälte und Frost

auf die Lande,

lachen und kreischen

im Hexentanz,

im Frosttanz,

um Kälte und Eis,

beschwören sie hernieder

auf die Lande im Schlaf,

lassen es schneien und hageln,

lassen Wasser und  Erde

gefrieren,

beschwören den Winter herbei,

im Hexentanz

der Winterhexen.


19. Okt. 05 Lilly Lime

Das Glas

 

Das Glas ist halbvoll.


Ich stehe am Rand einer Klippe,

spüre den Wind in meinem Haar,

stehe kurz vor dem großen Sprung;


Das Glas ist halbvoll.


Soll ich springen?

Ich könnte zurückkehren,

das Glas ist immernoch halbvoll,

ich könnte einen neuen Anfang machen ...


Das Glas ist halbvoll.


Doch das Glas ist auch halb leer ...


Alles ist verloren,

ich weiß keinen Ausweg mehr,

weiß keinen Weg zurück,

weiß nur den Weg voran.


Das Glas ist halb leer.


Ich springe ...


Um mich ist nurnoch Luft,

leere,

auskristallisierte Luft,

im freien Fall ...


frei von allen Problemen,

frei von allen Sorgen ...

frei von Seele und Körper ...


Das Glas ist voll.


Ich pralle auf ...

mein Kopf schlägt auf Stein ...


... das Glas ... ist voll ...


eine dunkle Woge

ergreift mich ...

Leere ...

... nichts ...


22. Okt. 05 Lilly Lime


Sunday, June 26, 2022

7 Leben wie eine Katze

 

Du hast 7 Leben,

wie eine Katze,

7 Leben als Katzengöttin;


gehst durch Feuer und Wasser

für mich,

kehrst immer heil zurück,

lebst ewig ...

mit deinen 9 Leben

für Katzenglück ...


du stürzt in eine tiefe Schlucht,

durch Feuer und Wasser,

ohne Überleben und Tod,

im ewigen Fall ...

kein Mensch könnte das überleben,

doch du kehrst zurück,

mit deinen 7 Leben

Katzenglück ...


du rast durch Feuer,

auf deiner wilden, unaufhaltsamen Bahn,

durch Rauch und Feuer und Tod,

doch am Ende kehrst du wieder zurück,

stehst vor mir

wie am ersten Tag

und grinst mich an in diebischer Freude ...


und ich sage:

<Du hast wohl 9 Leben wie eine Katze>


7 Leben Katzenglück


Unsterbliche


in deinen 7 Leben

lebst du für immer,

nur das 8. ist dir frei,

das 9. lebst du als Katze

- und kehrst nie zurück ...


7 Leben Katzenglück,

7 Leben wie eine Katze ...


denn du lebst 9 Leben als Katze,


Katzengöttin


Unsterbliche ...


Du mit deinen 7 Leben

gehst durch Feuer und Wasser

für mich ...

gegen mich ...


kehrst am Ende immer zurück,

unsterbliche Katzengöttin ...

denn du hast 9 Leben als Katze ...

Katzengöttin

...


7 Leben wie eine Katze ...

- Doch du lebst nur einmal als Mensch ...

unsterbliche Katzengöttin,

die du durch Feuer und Wasser gehst,

und immer zurückkehrst ...


Und ich sage dir:

<Du hast wohl 9 Leben wie eine Katze>

...


Doch heute bist du nicht zurückgekehrt,

ranntest durch Feuer und Blitze ...

als ich dich verfolgte ...


heute bist du nicht zurückgekehrt ...


heute hat dein 9. Leben geendet,

heute warst du das letzte Mal Katze ...


... und auch ich

springe heute das letzte Mal,

lebe mein 9. Leben als Katze ...


ich lebte 7 wie im Flug,

lebte sie als wären sie eins,

meine 7 Leben

im Kampf mit der

unsterblichen Katzengöttin ...


doch das 8. verschenkte ich,

das 8. war frei ...


Und nun lebe ich mein 9. Leben als Katze ...

... lebe mein 9. Leben zu Ende ...


ich springe ein letztes Mal,

springe in den Abgrund,

in den du dich sturztest ...


... springe aus meinem 9. Katzenleben ...


und auch ich werde nicht zurückkehren,

genau wie meine Katzenfreundin,

die unsterbliche Katzengöttin ...


wir sprangen beide in den Tod,

als unser 9. Leben endete ...


9 Leben als Katze ...


... ich springe,

springe ein letztes Mal als Katze,

springe aus meinem 9. Leben ...


... springe zu meiner Katzenschwester ...


... ich werde nicht mehr zurückkehren ...


doch ich hatte 7 Leben wie eine Katze ...

7 Leben Katzenglück.


Und ich springe ein letztes Mal ...


... mein 9. Leben ist beendet ...


ein letztes Mal sage ich vor mich hin:

<Du hattest 9 Leben wie eine Katze> ...


und ich lächle ...


7 Leben Katzenglück ...


7 Leben wie eine Katze.


21 Okt. 05 Lilly Lime