I. Ort der Sehnsucht und Verzweiflung
Das ewige Schreien der Möwen umgibt den See,
wie ein Schleier fällt ihr schwarzer Pony ihr ins Gesicht;
den Kopf auf die Knie gestützt, die Beine umschlungen, sitzt sie da.
Es ist ein Ort der Sehnsucht und der Verzweiflung gleichermaßen.
( Dort, an jenem See des Unglücks.)
Leises Hufgetrappel kündigt seine Ankunft an,
doch sie blickt nicht auf.
Leise schnaubend bleibt er vor ihr stehen, fast beruhigend;
unruhig scharrt er mit den Hufen/ am Boden, da sie noch immer nicht aufblickt,
stößt energisch den Kopf in die Luft.
Unter dem Schleier ihrer Haare lächelt sie leis(e).
<Kannst du noch immer keinen Frieden finden?>
Sie schüttelt unwohl den Kopf.
Mit einem traurigen Wiehern tänzelt er näher an sie heran,
knabbert sacht/sanft an ihren Haaren;
Fast gegen ihren Willen greift sie nun doch mit den Händen in seine Mähne,
saugt seinen wilden Geruch ein.
Er schüttelt sich leicht;
mit einem unruhigen Schnauben weicht er zurück,
ist wieder ein paar Schritte von ihr entfernt.
Aus den Augenwinkeln heraus beobachtet sie ihn,
den schönsten aller wilden Pferde,
folgt jeder seiner Bewegungen mit den/ ihren Blicken.
Er schüttelt sich leicht, noch einmal schnaubend
- fast schon drängend.
<Du solltest (hier?) nicht warten.>
Dann ist er fort,
nur noch sein leichtes Hufgetrappel zwischen den Felsen.
Mit einem aufatmen/ aufseufzen (?) vergräbt (?)/verbirgt sie den Kopf in die Hände,
lässt endlich den Tränen freien Lauf
- wie konnte es nur so weit kommen?
Lange sitzt sie so
am See der Traurigkeit, einsam,
nur die Möwen über ihrem Kopf zur Gesellschaft.
Würde er je wiederkehren ...
würde die Vergangenheit noch einmal geschehen dürfen?
Und wie ein Vorhang umhüllt Traurigkeit die Szene (am See),
vom Schreien der Möwen eingelullt.
13.03.15 Lilly Lime
II. Der Tag danach
(Nur) das (einsame) Rufen eines Raben
hallt über den See des Unglücks.
Es ist der Tag danach;
(nachdem alles aufgegeben wurde).
Noch immer sitzt sie still und reglos,
den Kopf gesenkt, die Hände untätig
- doch im Herzen nur noch ein wenig ratlos/ nicht mehr so ratlos.
Sie weiß ihren Pfad:
den Weg der Aufgegebenen;
sie weiß ihr Werk:
das des Sprechens;
und sie kennt ihr Herz:
dass es erneut zerspringen mag.
Einst hatte sie es in drei Teile geteilt;
so mag es geschehen.
Doch ihre Seele muss wieder eins sein,
ihr Geist nicht mehr zersplittert und verborgen,
ihr Pfad muss klar sein:
nur das Ziel ist es, das zählt,
und der Weg ist ohne Bedeutung.
So geh in Frieden.
Still schweigend sitzt sie auf ihrem Stein,
den gebeugt,
doch ihre Gedanken sind längst
auf einer langen Wanderschaft.
Doch diesmal wird sie nicht mit den Wildpferden laufen (/rennen?)
oder mit dem Raben fliegen (können) ...
diesmal wird sie ihren Weg alleine gehen müssen
und keine Birken werden über ihr schwingen,
denn es ist ihr Weg, ihr eigener.
14.03.15 Lilly Lime
III. In den Fußspuren der Hoffnung
In den Fußspuren der Hoffnung
folge ich seinen langsamen Bewegungen.
Wieder zum Fluss zurück.
Erst vor kurzem war die Sehnsucht gegangen,
und wie einen Winteratem
kann ich ihre/ seine (?) Spur noch vor mir sehen. (...)
In den Fußspuren der Sehnsucht folge ich ihm nach,
doch die Augen sind noch immer auf die Hoffnung gerichtet;
wird er mich fallen lassen?
Auch wenn ich meine Seele nicht mehr sehen kann,
weiß ich doch im Grunde,
dass sie immer noch über jenem Abgrund baumelt,
vom Weiß der grellen Wände umrahmt.
Was wird geschehen, wenn ich jenen Felsenpfad zu Ende gehe?
Hinter mir höre ich das Rascheln von Federn,
und auch die Möwe ist wieder mit mir -
- diesmal in Gestalt eines Seeadlers,
Vogel meiner Seele, Vogel meiner selbst (?).
Verärgert plustert sie sich,
dann hüpft sie hinter mir her.
Und ich lächle leis;
es ist gut die Freude mit mir zu haben.
Und vor uns geht die Hoffnung vorüber,
in seinem Charakter unsichtbar
- und doch kann man seine Spuren sehn
und ihn vorübergehen spüren.
Wir folgen ihm, ich und der Vogel meiner Seele,
der Seeadler, mal hüpfend mal fliegend neben mir.
Am Abgrund des Kliffs halten wir Inne,
tief die frische Seeluft atmend,
uns fragend, wo die Hoffnung geblieben ist ...
Unten, am Fuß der Anhöhe,
sind die frischen Spuren eines Wildpferds noch deutlich zu erkennen
- und ich weiß, auch die Sehnsucht ist hier vorbeigekommen.
Doch wohin nun?
Sollen wir ihm folgen,
oder lieber nach Spuren der Hoffnung suchen?
Beiderseits, es ist gleich ...
und so gehe ich in die Steppe hinein,
den Kopf zum Nachthimmel erhoben,
die frische Brise im Nacken.
Und über mir das Schreien eines Adlers ...
Mag kommen was kommen mag.
[ ]
18.03.2015 Lilly Lime
IV. Das verlorene Herzstück
Reglos sitzt sie da,
wieder einmal ihr Herz in Händen.
Wie viele Tage waren bereits vergangen,
am See der Verzweiflung?
Sie hätte es nicht zu sagen gewusst ...
- und doch Zählte nur die Frage um ihr Herz
das verlorene Herzstück;
sie musste es um jeden Preis finden.
Wo die ersten beiden Fragmente waren
wusste sie wohl
- hatte sie sie nicht selbst ausgehändigt ...
- doch das dritte
das dritte Herzstück blieb verschwunden -
Prüfend hebt sie den Kopf und blickt um sich,
doch kein Indiz, kein Hinweis -
wer auch immer es genommen hatte, blieb unsichtbar.
Oh, diese vermaledeite Hoffnung ...
Sollte sie nur auf die ersten beiden Teile setzen?
Konnte sie noch auf diese beiden hoffen?
Nein.
Nach all den Jahren wusste sie zu deutlich:
sie würden ihr nicht helfen,
nicht sie erlösen
und auch nicht sie heilen. [ ]
Doch,
ob sie auf das dritte Herzstück setzen durfte?
Würde er kommen?
Oder würde er sie fallen lassen?
Verzagen? ...
... wie so viele Male. -
Es gab keine Hoffnung
- es durfte sie nicht geben -
es war nur eine Illusion.
Ihr Herz musste auf immer zersprungen/ge-? bleiben. [ ]
Mit einem leisen Seufzen steht sie auf,
noch einmal den See der Hoffnung und Verzweiflung zu überblicken.
Doch nichts regt sich.
Waren wirklich erst so wenige Tage vergangen? ---
Und so geht sie -
- hinein in die Nacht,
hinein in die Unendlichkeit
Wieder einmal -
Es würde keinen Unterschied bereiten,
ob sie es beenden wollte oder nicht.
Sie würde fallen.
(Und so sollte es sein.)
[ ]
23.03.15 Lilly Lime
V. (Verkehrter?) Himmelsturz
Mit dem Aufheulen des Sturms
Werfe ich die Sehnsucht über Bord
- nun folge ich nur noch
in den nackten Fußspuren der Hoffnung ...
wird sie/er den Mantel der Unsichtbarkeit je/noch(?) abwerfen,
eh das Wasser seine/ ihre Fußspuren verlöscht hat? ...
- es ist passiert -
Der Himmelsturz wurde hinangedreht -
Nun lasst uns nach oben fliegen ... -
29.3.15 Lilly Lime
VI. /VII? Dunkle Träume
Seit Tagen haben wir ihn nun verlassen,
den See der Verzweiflung,
doch noch immer glaube ich in meinen Träumen
das Schreien/ Krächzen(?) der Raben über seinen dunklen Wogen \ ? zu hören [...]
Dann wieder ist es das Ächzen der Planken?
In jenem winzigen Boot bevor wir sinken,
vermischt mit dem Trappeln seiner Hufe.
In meinen dunkelsten Träumen
sieht er mich an,
doch ich weiß seinen Blick nicht zu deuten ... [ ]
[ ]
Wieder stehe ich auf jenem Kliff,
der Wind durch meine Haare peitschend,
- Seewind -
Und der Adler kreist über mir -
<Komm!>, spricht sie mich an
<lass uns weiterziehn/- gehen(?)>,
doch ich zaudere noch,
plädiere fast fürs umkehren ...
Und doch,
ich weiß dass es vorbei ist
- jenes Dunkle wird mich nicht mehr greifen mögen ...
[-]
1.4.2015 Lilly Lime