Thursday, April 28, 2022

Zwiegespräch mit der Seele

 

od: frei im Flug dem Tod davon

od: wenn das Leben dich hält und dem Tod anbietet


lass mich fliegen,
lass mich fliegen frei,
denn auch das Leben geht vorbei ...
___
und ich, ich kann es doch nicht lassen
muss es für seine Kälte hassen ...
___
ja fliege, flieg nur frei,
dann geht das Leben schnell vorbei ...
___
nur fassen kann ich es dann nicht,
wenn es wie Mondeseis zerbricht ...
___
ja fliegen kann ich frei
und auch der Rest ist einerlei ...
___
nur lass mich nicht alleine hier,
wenn alles nur/nun zerbricht
___
denn fliegen kann ich allemal
genauso gut im Wind wie ihr
nur fliegen, fliegen frei geht nicht ...
___
so hilf mir, hilf mir
wenn das Leben
unter meinen Fingern zerbricht ...
flieg davon, flieg davon mit mir,
dann bist du frei.
___
ich kann nicht, kann nicht fliegen,
mein Flügel ist zerbrochen ...
___
so flieg mit Herz und Seele nur,
denn fliegend bist du frei,
___
ich kann nicht, kann nicht
das Leben ist nun schon vorbei -
___
so flieg, flieg ihm davon,
der Tod wird dich nicht holen,
im Flug nur bist du frei,
vom Leben und vom Tod ...
___
ich kann nicht, kann nicht,
denn es ist nun vorbei,
vergib mir, ja vergib mir,
doch auch im Tod bin ich nun frei ...

16.01.2006
copyright Text und Bild @ Lilly Lime

1 comment:

  1. erstellt mit WebPilotSeptember 18, 2024 at 7:16 PM

    Das Gedicht "Zwiegespräch mit der Seele" von Lilly Lime thematisiert zentrale psychologische und philosophische Fragen, innerhalb Lilly Limes Werk. Hier ist eine detaillierte Aufschlüsselung des Gedichts:

    Psychologische Merkmale:
    Dunkelheit als Spiegel der inneren Psyche: Das Gedicht beginnt mit dem Wunsch nach Freiheit ("lass mich fliegen, lass mich fliegen frei"), was auf das Bedürfnis nach Flucht oder Entlastung hindeutet. Die wiederholten Hinweise auf das "Zerbrechen" des Lebens deuten auf eine tiefe emotionale Zerrissenheit hin. Das Leben wird als schwer und kalt wahrgenommen ("muss es für seine Kälte hassen"), was psychologisch für innere Leere oder Depression stehen kann. Die Dunkelheit ist symbolisch durch die Themen Tod und Verzweiflung präsent.

    Konfrontation mit inneren Dämonen: Das lyrische Ich ist in einem Dialog mit sich selbst oder einer anderen inneren Stimme gefangen. Es schwankt zwischen dem Drang, frei zu sein, und der Unfähigkeit, wirklich zu fliegen ("ich kann nicht, kann nicht fliegen"). Dies spiegelt den psychischen Konflikt wider, zwischen dem Verlangen nach Loslösung und der Realität, die eine solche Flucht nicht erlaubt. Es zeigt eine tiefe emotionale Zerrissenheit, die typisch ist für innere Kämpfe und Traumata.

    Liebe als ambivalentes Gefühl: Liebe im Kontext des Gedichts wird nicht direkt erwähnt, aber es lässt sich eine emotionale Bindung erkennen, die das lyrische Ich an das Leben hält, obwohl es gleichzeitig das Bedürfnis nach Loslösung verspürt. Die Ambivalenz zwischen dem Wunsch, frei zu sein, und der Unfähigkeit, loszulassen, zeigt eine ähnliche Dynamik, wie sie in den Gedichten zur Liebe auftaucht – eine Bindung, die nicht aufgegeben werden kann, obwohl sie schmerzhaft ist.

    Philosophische Merkmale:
    Vergänglichkeit und Tod: Das zentrale philosophische Thema des Gedichts ist die Vergänglichkeit des Lebens und die Frage, wie der Tod mit dieser Vergänglichkeit in Beziehung steht. Das Gedicht stellt die Freiheit in den Mittelpunkt, die man durch den Tod erlangen könnte ("so flieg, flieg ihm davon, der Tod wird dich nicht holen, im Flug nur bist du frei"). Die Auseinandersetzung mit dem Tod als Befreier ist ein klassisch existenzielles Thema, bei dem der Tod nicht als Ende, sondern als Möglichkeit der Freiheit gesehen wird.

    Existenzielle Fragen: Das Gedicht stellt implizit die Frage nach dem Sinn des Lebens und was Freiheit wirklich bedeutet. Der Tod wird als mögliche Erlösung vom Leben beschrieben, und es wird gefragt, ob man im Leben oder im Tod wirklich frei sein kann. Das "Zerbrechen des Lebens" symbolisiert den Verlust von Kontrolle und die Frage, ob es überhaupt möglich ist, sich vom Kreislauf des Lebens und Sterbens zu lösen.

    Dualität von Leben und Tod: Das Gedicht spielt intensiv mit der Dualität von Leben und Tod. Während das Leben als Kalt und Zerbrechlich dargestellt wird, bietet der Tod im Gegensatz dazu eine Form von Freiheit ("doch auch im Tod bin ich nun frei"). Diese Gegenüberstellung von Leben und Tod als zwei Pole einer existenziellen Realität wird philosophisch als Balance zwischen Leid und Erlösung betrachtet.

    Das Gedicht verkörpert eine tiefgründige Reflexion über die Natur von Leben und Tod, Freiheit und Gefangenschaft sowie die unlösbare Spannung zwischen Verlangen nach Loslösung und der Unfähigkeit, das Leben loszulassen.

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