Wednesday, June 12, 2024



Dunkelheit

(Gedichte an die Nacht ) 

I

Die Dunkelheit, sie hat einen Klang - doch er ist laut und missgebildet.
Atmen. Schwer und röchelnd - das ist der Klang der Stimme. Drei Schritte vor mir beginnt der Abgrund. - Wenn ich meine Hand danach ausstrecke, kann ich ihn ganz deutlich sehen . Ich spüre die Kante, die nicht existiert, und dann ein leichter Fall ..._/-?
Regen rieselt auf mich nieder. Ich erhebe den Kopf und starre in die Dunkelheit meiner geschlossenen Augenlider. Es geht vorbei .
Wenn der Morgen anbricht, werde ich kein Dämmern sehen . Und wenn die Sonne untergeht, werde ich auch ihre Wärme nicht spüren.
Dunkelheit umgibt mich. Wandelnd und laut. Ihr schriller Klang nur ein weiterer Schmerz.
In einem Gespür von Benommenheit versuche ich sie zu verstehen - doch sie gibt nicht Antwort. In einem Akt der Verzweiflung reiße ich mir die Hände von den Ohren. Ich will wieder sehen! Doch die Dunkelheit weicht nicht .
Klarheit. Ein nobles Wort, das keine Hülle braucht. Klarheit braucht nicht zu sehen.
In der Dunkelheit streckt sie sich aus; berührt meine Knöchel, meine Lider und meine Augen -
Klarheit braucht keine Worte. ---
In der Dunkelheit stehe ich, die Arme nichtmehr geschützt das Gesicht dem Regen entgegen.
Strömende Tropfen gleiten an meinen Wangen herab. (Ja,) ich spüre sie. Und ich spüre auch die Dunkelheit, die sich wie ein schützendes Netz um{/auf?} mein Gesicht legt. ---

II

An einem fahlen Morgen verlasse ich das Haus. Regen wäscht über mein Gesicht - Er wäscht alles dunkle hinfort, bis nur die Erleichterung zurückbleibt. Dann erwache ich.
In meinem dunklen Zimmer setze ich mich auf, die (/im Rücken die Nacht?) Wie soll es also beginnen?
In völliger Dunkelheit taste ich um mich. 5.30, viel zu früh. Nur der Leuchtstreifen meines Weckers zeigt den Tag an; Und ich schließe meine Lider gegen die Dunkelheit, erneute Dunkelheit. ---
In einem Wirbel von Erinnerungen tauche ich in Dunkelheit ein , perfekte Schwärze. 
Als Kind verlasse ich das Haus an der Hand meiner Mutter. Die Nacht ist perfekt, undurchsichtig. Und hinter der nächsten Ecke lauert wieder nur Schwärze. Es gibt keine Sterne für mich, nur die perfekte Dunkelheit - die meine Mutter nicht bemerkt.
Wieder öffne ich die Augen, zum schweren Gewicht der Nacht. Keine Sterne mehr für mich, sie wurden geraubt. Und an ihrer Stelle schimmert nur fahl mein Wecker.

III

Die Dunkelheit, sie umhüllt mich wie ein Tuch. Mit seltsamen Stimmen raunt/flüstert/spricht sie mir Trost zu, während ich Nachts hellwach in meinem Bett liege.
Silbernes Mondlicht flutet meine Fenster und sickert über den Boden meines Zimmers, nur um an der gegenüber liegenden Wand einen Wall aus Eisenstäben zu erheben. Dort öffnet sich ein Tor. Doch es führt nur in eine Traumwelt.
Beruhigt drehe ich mich um und schlafe wieder ein . Den Kopf in den schützenden Kissen verborgen.
Doch auch in meinem Schlaf wacht die Dunkelheit über mich. Mit ihren samtenen Klauen verbarrikadiert sie das Fenster, in ihrem Kampf mit dem Mondlicht weder menschlich noch grausam.
Wispernd spricht sie zu mir in meinen Träumen. Beata nox ominae et potentae.(???)

In meinem Traum begegne ich der Dunkelheit und sie winkt mir lächelnd ihr zu folgen. Respektvoll neige ich den Kopf  - Ave obscuritas aeterna et domina noctis. Beata nox ominae et potentae!(???)
wispere/ antworte ich wortlos/lautlos. Sie lächelt (leise) nur. - Wissend.
In einem Sog aus Dunkelheit folge ich ihr durch die Portale der Nacht. Doch vor uns liegt ein wüstes Land, leergefegt von allem außer Dunkelheit. Wirbelstürme toben in (/seinem?) Zentrum, durchsetzt von Staub und Schmutz. Tiefe Furchen führen auf sie zu, wie die Schleifspuren der letzten Hoffnung. Dieses Land ist aufgegeben ! schießt es mir plötzlich durch den Kopf. Was ist nur geschehen ? Schaudernd betrachte ich die Gestalt der Dunkelheit neben mir so schützend und behütet sie immer (?) zu mir (gewesen sein mag ) sein mochte - so grausam konnte sie gewiss auch sein ... Quod dignitas (et aeternitas ??) exspectat nonum est. Sed crudelita hominem es subiectum. (?) höre ich ihre Stimmen in meinem Kopf. Et beata nox aeternae et bonae (?) (kommt es wie ein gewispertes Echo) ( wie ein Wispern/ kommt das Echo wie ein Wispern) aus der Ferne(?) zurück.
Vor mir erhebt sich der Sturm wie eine Festung der Nacht, doch am Himmel sind keine Sterne zu sehen .
Von meinem Aussichtspunkt blicke ich auch die Verwüstung unter mir, mit all ihrer grausamen Endgültigkeit. Nein verbessere ich mich, denn selbst in der Zerstörung liegt ein Neubeginn. Ich schaudere erneut, und blicke zur Dunkelheit in ihrem nachtschwarzen Kleid. Wie eine Gebieterin, schön und schmerzhaft anzusehen ... .
Ganz als hätte sie meinen Blick gespürt, wendet sie sich um und sieht mich an . Ihr schwarzer Mantel flatternd im Wind. (Dies ist dein Traumland) (Haec/terra somniis tua est) filia. (Sieh es dir an!) (Vide es observa!) Ihre dunklen  Augen lächeln nur [/kalt?]. Weise und wissend.(?)

Mit einem Schrei erwache ich.

VII (vllt?)

In einem dunklen Pfuhl aus Mondlicht gleite ich durch die Nacht. Undurchdringlich erhebt sich ein Wall aus Dunkelheit um mich her (?), eine undurchdringliche Festung. Unter meinen Fingern spüre ich das ...(?) Kribbeln der Nacht, und silberne Strahlen sickern durch meine nackten Zehen. Doch der Geschmack des Mondlichts auf meiner Zunge ist bitter, verdorben von einem mir fremden Beigeschmack ... (Ich bleibe wachsam.)

Silberne Krallen(?) kratzen unhörbar über ...(?)/ die Wände meines unsichtbaren Gefängnisses(?)/ über Stein(??)/, über Stein, Luft und Atem. Doch innerlich schaudere ich dennoch zu ihrem ungehörten Klang ...(?) Ich schüttle mich. Samtene Klauen begegnen jenen silbernen Nägeln und verursachen neue Geräusche. Innerlich(?,wdh)/ in Gedanken wünsche ich mich weit weg, doch der silberne Pfuhl hält mich gefangen. ... Wie in einer schmutzigen Seifenblase treibe ich durch die Nacht. Das Wasser zu meinen Füßen/ um meine Füße(,) silbern vom Mondlicht, doch schmutzig-schwarz am Grund.

Schlamm benetzt meine nackten Füße, dunkle Schlieren ziehend;

IV 🠒 VIII ? 

Doch sie lässt mich nicht gehen, die unersättliche Dunkelheit. Wie Orpheus steige ich einen steilen Pfad aus der Tiefe/dem Hades {empor}, glaube mich schon fast am Ende des Tunnels. Doch da höre ich hinter mir eine Stimme. Ich zögere. Ob ich mich umwende? Aber ja doch, denn wer hätte mir{*³schon} gesagt [ /sagen sollen] , dass ich mich nicht umwenden darf {/soll} ? .../[   ] - Und da steht sie (wieder ), lächelnd wie am ersten Tag {,die*²{*messer} scharfe Zähne. Oh! geliebte Dunkelheit, wann lässt du mich gehen ? 
Sie spricht mit einem Lachen - Ton und Wort zugleich -/,doch ich verstehe sie, es ist genug.
Mit einem spitzen Schrei erhebt sie sich , und schwebt davon. Doch es ist mir keine Freude, denn um mich sinkt das Dämmerlicht. Einen Moment noch harre ich dem Laut, bis er dann ganz verklungen ist. Mit einem Seufzen wende ich mich ab (den Hades nun im Rücken) - wag es doch kaum zum Licht empor zu sehen. Mit einem bangen Zittern heb ich nun die Hand - die Augen auf - und vor mir nurnoch Dunkelheit ... [   ] Mir zaudert schon --- doch tapfer geh ich weiter.

In einem dunklen Tunnel/Auf einem dunklen Pfad steige ich langsam aus der Unterwelt herauf, mich Schritt für Schritt voran tastend. Doch anders als Orpheus kann ich mich nicht umsehen/-blicken - auch nicht singen [   ] . Drei Schritte hinter mir verschlingt die Dunkelheit den Pfad, und es geht in die Tiefe. Zwei Meter die Sekunde, und dann bis in die/hin zur Ewigkeit - ein Fall hinein ins Nichts ... . Ich schaudre nicht. Denn vor mir fängt die Dunkelheit mich auf. 

Wir gehen gemeinsam. Hand in Hand. Ihr schwarzer Umhang über uns gebreitet. Und über uns die Nacht - doch am Firmament sind keine Sterne. Mater noctis, wage ich sie schließlich anzusprechen ... - quid? - Quo vadismus ? (Doch sie gibt keine Antwort) (/Doch sie schweigt nur.) Und so steigen wir weiter schweigend in die (?)(/Schwärze??) hinein.

copyright Lilly Y. Lime